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Maulwurf Metzner ist enttarnt Die FDP war nicht genug

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Der Maulwurf ist gefunden: Ausgerechnet Westerwelles Büroleiter Metzner verriet FDP-Interna an die US-Botschaft in Berlin und trug damit zu den Wikileaks-Enthüllungen bei. Metzner wird strafversetzt, wegen "Vertrauensbruchs". Der liberale Maulwurf hat seinen Job überinterpretiert.

Als der Maulwurf sich endlich zu erkennen gab, war es zu spät: Der FDP-Chef war bereits beschädigt. "Ich glaube diese Geschichte so nicht", hatte Guido Westerwelle am Montag auf die Frage nach einem FDP-Informanten der US-Botschaft gesagt, der laut Wikileaks Interna aus den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen an die Verbündeten weitergab. "Ich habe unverändert in die gesamte Mitarbeiterschaft der FDP ein ganz großes Vertrauen", stellte sich Westerwelle vor seine Leute im Thomas-Dehler-Haus. Ein Fehler, wie sich am Donnerstag zeigte. Denn ausgerechnet Westerwelles Büroleiter in der FDP-Zentrale gab schließlich zu, der Maulwurf der US-Botschaft zu sein. Helmut Metzner hatte die internationale Kontaktpflege etwas zu ernst genommen, dafür wurde er von seinen Aufgaben entbunden.

Metzner musste gehen, wegen "Vertrauensbruchs", wie FDP-Sprecher Wulf Oehme auf Anfrage von n-tv.de erklärt. Er hatte seinen Chef durch Schweigen bloßgestellt. "Er hätte spätestens Montagfrüh zu Westerwelle gehen und sich entschuldigen können", erklärt Oehme das Problem. Bevor sich Westerwelle mittags an die Öffentlichkeit wandte und seine Mitarbeiter in Schutz nahm. Eine Zusammenarbeit sei unter diesen Umständen nicht weiter vorstellbar, Metzner werde einen anderen Job in der Parteizentrale bekommen, sagt Oehme. Wo genau, sei noch nicht entschieden. Er habe erst einmal Urlaub genommen.

Die Enttäuschung über den Vertrauensbruch ist groß im Thomas-Dehler-Haus. Galt Metzner doch als "umgänglicher und freundlicher" Mitarbeiter, als "ausgesprochen zuverlässig, umsichtig und klug", stellt es Oehme dar. Niemand in der FDP-Zentrale hatte ahnen können, dass er es war, der in den Wikileaks-Dokumenten der Berliner US-Botschaft als "junges, aufstrebendes Parteimitglied" und zuverlässige Quelle parteiinterner Informationen auftaucht. Anfangs bezweifelte die FDP sogar noch, dass es überhaupt einen Informanten gab. Doch wurde seit Montag trotzdem fieberhaft nach dem Leck in der Partei gesucht. Jeder Mitarbeiter, der bei den Koalitionsverhandlungen dabei war, wurde ausgefragt. Da gab sich Metzner schließlich zu erkennen.

FDP spielt Brisanz herunter

Die FDP versucht nun, den Wert dieser Informationen wahlweise als "Klatsch- und Tratschgeschichten" (Westerwelle) oder "völlig unbedenklich" (Entwicklungsminister Dirk Niebel) herunterzuspielen. Der Mann habe nur "seine Stellenbeschreibung" wahrgenommen und internationale Kontakte gepflegt. Hat Metzner also nur seinen Job gemacht? "So hat er es zumindest aufgefasst", heißt es aus der FDP-Zentrale. So eng sei das Verhältnis zu Westerwelle auch gar nicht gewesen. "Metzner hatte vor allem administrative, keine politisch-strategischen Aufgaben", spielt Oehme die Bedeutung des Büroleiters herunter. Er habe nicht jeden Tag mit dem Chef zusammengesessen. Westerwelle hat nicht gewusst, wie intensiv Metzner die Kontakte mit der US-Botschaft pflegte? Oder ihm gar den Auftrag erteilt, um sein Bild bei den USA zu verbessern, wie einige Medien berichten? Davon sei nichts bekannt, Metzner habe immer sehr selbstständig gearbeitet.

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Der Maulwurf: Helmut Metzner hat sich selbst offenbart.

(Foto: dpa)

Damit dürfte es nun vorbei sein. Metzner ist der eigene Ehrgeiz offenbar zum Verhängnis geworden. Der hatte den 41-Jährigen immerhin bis in die Spitze des Thomas-Dehler-Hauses gebracht. Anfang 2010 hatte ihn der neue Generalsekretär Christian Lindner als Büroleiter Westerwelles installiert, nachdem Metzner im Bundestagswahlkampf Leiter der Abteilung "Strategie und Planung" war und zudem für die FDP die internationalen Beziehungen pflegte. Die "tageszeitung" schrieb damals geradezu hellseherisch über den liberalen Kampagnenleiter: "In der Welt der Nachrichtendienste wäre er vermutlich ein kleiner Agentenführer. Metzner spricht über 'Geschärfte Argumentation', 'Umfeldbeobachtung' und über 'FB', das steht für 'Feind- oder Freundbeobachtung'." Aus dieser Zeit stammt wohl auch der gute Draht zur US-Botschaft. Metzner war damit nach einem langen Weg im Machtzentrum seiner Partei angekommen. Auch wenn es nur die Hinterzimmer waren und nicht die herausgehobenen politischen Posten.

Leidenschaft für Fliegen

Anfangs hatte es der "Muntermacher Metzner" selbst mit einer politischen Karriere versucht. "Schon als kleines Kind nahm mich meine Mutter, die neben mir noch meine acht Geschwister großzog, mit zu ihren politischen Aktivitäten. Ich hatte meinen Spaß", schrieb er über sich in seiner Biografie, die im Internet inzwischen abgeschaltet wurde. Der Franke Metzner versuchte es erst in der CSU, in der er als bekennender Schwuler aber nicht heimisch wurde. "Ich verließ die CSU trat zur FDP über, weil deren Bekenntnis zur Freiheit des Einzelnen in allen Lebensbereichen genau meiner Lebenshaltung entspricht. Bei den Liberalen kann ich sein wie ich bin", erklärte er. Und so wurde er zum "(Sau-)lustigen Liberalen", der Herrenhüte, Cola Zero, Tee und Stadtspaziergänge liebt, "Extreme-Couching" macht und sich "leidenschaftlich für die Fliege als Bestandteil der Herrenoberbekleidung" einsetzt. Lebensmotto: "Wer gackert, muss auch Eier legen."

Zweimal kandidierte er für den Landtag, einmal in Bayern, einmal in Berlin. Zweimal versuchte er, als Abgeordneter in den Bundestag zu kommen. Doch keiner der Versuche glückte, Metzner entschloss sich zu einem anderen beruflichen Weg und ging zur Friedrich-Naumann-Stiftung. Dort schaffte er es bis zum persönlichen Referenten des Vorstands und wurde 2004 in die FDP-Zentrale geholt.

Nun hat die Partei Metzner aus der Schusslinie genommen und versucht mit Angriffen auf den US-Botschafter Philip Murphy von der eigenen Misere abzulenken. Schließlich war er es, der die Informationen nach Washington kabelte und damit Wikileaks zugänglich machte. "So ein Botschafter muss nach Hause geholt werden", sagte der FDP-Abgeordnete Hans-Michael Goldmann der "Bild"-Zeitung. Im Thomas-Dehler-Haus wird diese Forderung so aber nicht übernommen. Dort muss noch ein neuer Job für den Maulwurf gefunden werden.

Quelle: n-tv.de

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