Politik

Verstörende Vogelperspektive Drohnen filmen den Syrien-Krieg aus der Luft

Aus Syrien tauchen Videos auf, die den Krieg aus der Vogelperspektive zeigen. Schießende Panzer, flüchtende Kämpfer, Luftangriffe, gefilmt aus der Luft: Die Videodrohnen scheinen immer zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Drohnen sind bei Filmemachern beliebt, weil sie mit Leichtigkeit Bilder aus der Luft liefern, weil sie nur einen Bruchteil der Kosten eines Helikopters verursachen und weil ihre Bilder eine erhabene Ruhe ausstrahlen. Auf einigen hundert Metern Höhe surren die Elektromotoren und die schönsten Bilder lassen sich aus der Vogelperspektive einfangen.

Ganz anders dieses Video. Es beginnt mit einem Knall. Ein russischer Jet, vermutlich vom Typ SU-25 wirft einen Sprengkörper ab - ob Rakete oder Bombe ist nicht zu erkennen. Das Flugzeug verschwindet, während Rauch aus einer Lagerhalle quillt. Danach dokumentiert die Drohne die Schäden an der Halle. Die Mischung aus ästhetischer Perspektive und grauenvollen Bildern kommt in immer mehr Videos aus Syrien zum Einsatz.

Ausgeschlossen ist, dass diese Bilder zufällig entstanden sind: Erst der Angriff auf die Halle aus der Ferne, dann - als die Gefahr vorüber ist - Detailaufnahmen. Entstanden sind die Bilder laut den Angaben in dem Video in Harasta einem Vorort von Damaskus. Die Aufnahmen zeigen ein Gelände, das einmal ein Baustoffhandel gewesen sein könnte.

Der Ort lässt sich bei Google Maps wiederfinden. Die Halle liegt tatsächlich in einem Gewerbegebiet zwischen Autobahn M5 und den Hängen des Antilibanon, eines Gebirgszuges, der nördlich von Damaskus verläuft. Was die Kämpfer des IS, die Harasta seit etwa drei Jahren kontrollieren, unter dem Dach gemacht haben, ist unbekannt. Der Luftschlag diente laut russischen Medien der Vorbereitung einer Offensive durch die syrische Armee.

Ein weiteres Video treibt es mit der Mischung aus Schrecken und Ästhetik auf die Spitze. Der Drohnenpilot steuert das Fluggerät über Jobar, einen anderen Vorort von Damaskus. Wer bisher glaubte, die syrische Hauptstadt sei von Kämpfen weitgehend verschont geblieben, wird angesichts dieser Bilder eines Besseren belehrt. Das Video zeigt eine Stadt in Trümmern.

Wieder scheint die Drohne zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Sich verschanzende Kämpfer, schießende Panzer, einschlagende Granaten, Explosionen, Rauch, Zerstörung. Sieht man einmal davon ab, dass das Video mit unerträglich unpassender Fahrstuhlmusik unterlegt ist, dokumentiert es den Krieg aus Syrien aus einer Perspektive, die wir bisher noch nicht kannten.

Produziert hat die Videos ein Team von "Russia Works", eines russischen Journalistenkollektivs. Der Mann an der Drohne ist dabei Alexander Pushin, der nach eigener Darstellung von "Russia Works" das Kamera-Handwerk beim russischen Militär gelernt hat und seither als Kameramann und Filmemacher arbeitet. Demnach war er schon im Ukraine-Konflikt mit seiner Drohne im Einsatz und hat dort den Einsatz der Fluggeräte in Kriegsgebieten erprobt.

Abnehmer sind offensichtlich vor allem russische Fernsehsender, allen voran "Rossija 1", einem der größten russischen Staatssender, der in der staatlichen Medienholding WGRTK integriert ist. Unter welchen Umständen die Videos entstehen und welche Verbindung zwischen den Machern vor Ort und dem Militär besteht, lässt sich kaum nachprüfen.

Alexander Pushin scheint neben der Dokumentation von Gefechten auch noch Zeit für andere Filme zu haben. Ein weiteres Video, das aus seiner Produktion kommt, zeigt die Kriegsschäden des Unesco-Weltkulturerbes Krak des Chevaliers an der libanesischen Grenze. Seit dem 11. Jahrhundert steht die Burg aus der Zeit der Kreuzzüge dort. Der Krieg bedroht auch die alten Mauern der Burg. Die angrenzende Ortschaft liegt bereits in Trümmern.

Quelle: ntv.de