Politik

Unterhaltung mit unsichtbarem Obama Eastwood legt bizarren Auftritt hin

Diese Schauspieleinlage geht gründlich daneben: Eigentlich will Clint Eastwood den Herausforderer von Barack Obama im Wahlkampf unterstützen. Doch der verstörende Auftritt des Schauspielers in Florida dürfte Mitt Romney keine große Hilfe sein - zu wirr ist das Gespräch mit einem leeren Stuhl.

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Clint Eastwood im imaginären Dialog mit Barack Obama.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Hollywood-Star Clint Eastwood hat mit einer bizarren Schauspieleinlage seine Unterstützung für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zum Ausdruck gebracht. Der eigenwillige Auftritt des 82-Jährigen auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa in Florida zur besten Sendezeit brachte die republikanischen Anhänger in der Halle zwar zum Johlen, wurde andernorts aber mit Verstörung aufgenommen.

Im Zentrum des Auftritts stand ein Gespräch mit einem leeren Stuhl. Eastwood tat so, als ob dort Präsident Barack Obama sitzen würde. In einem imaginären Dialog konfrontierte Eastwood Obama mit Versprechen, die dieser nicht gehalten habe. "Halt den Mund", forderte er den unsichtbaren Präsidenten dabei auf. An einer anderen Stelle nannte er Obama "absolut verrückt".

Eastwood stellte bei seinem Auftritt Fragen, die enttäuschten Wählern Obamas so auf den Lippen liegen könnten. Die hohe Arbeitslosigkeit nannte er eine "nationale Schande". Es gebe 23 Millionen Arbeitslose in den USA. "Das ist etwas, worüber man weinen könnte", sagte Eastwood unter rauschendem Beifall. In den USA sind allerdings offiziell 12,8 Millionen Menschen ohne Job.

"Make my day"

Außerdem kritisierte Eastwood Obama dafür, dass er das auf Kuba schließen wolle – und bemängelte zugleich dessen Unfähigkeit, dieses Vorhaben umzusetzen. Außerdem forderte Eastwood Obama auf, den Militäreinsatz in Afghanistan zu beenden. "Wir haben nicht bei den Russen nachgefragt, um zu sehen, was sie dort zehn Jahre gemacht haben", schimpfte er. Die Zuhörer applaudierten, obwohl Obamas republikanischer Vorgänger George W. Bush den Einmarsch zu verantworten hat.

"Was soll ich Romney von Ihnen ausrichten?", fragte Eastwood in dem zusammenhangslosen Dialog mit dem unsichtbaren Obama. "Nein, das kann ich ihm nicht sagen", meinte Eastwood nach kurzer Pause und deutete eine äußerst derbe Aufforderung Obamas an.

Der Schauspieler betonte mit Blick auf Obama, es sei keine gute Idee, wenn Anwälte Präsidenten werden. Möglicherweise wusste Eastwood nicht, dass Romney ebenfalls einen Abschluss in Jura hat. Die sichtlich gealterte Hollywood-Legende verabschiedete sich mit einer Zeile aus seinem Film "Dirty Harry": "Make my day", sagte der Schauspieler und rief die Wähler damit auf, ihm mit der Abwahl Obamas den Tag zu versüßen.

Romney verteidigt Auftritt

Das Wahlkampfteam des Präsidenten nahm den Auftritt mit Kopfschütteln auf. "Was zur Hölle ist das?", fragte Obamas Top-Berater David Axelrod über Twitter. Pressesprecher Ben LaBolt bezeichnete Clintwoods Einlage als surreal. "Alle Anfragen leite ich an Salvador Dalí weiter", schrieb er dem Online-Magazin "Politico". Der im Jahr 1989 verstorbene spanische Maler ist einer der bekanntesten Künstler des Surrealismus. Später wurde über Obamas Twitterkonto mitgeteilt: "Dieser Stuhl ist besetzt". Dazu gab es ein Foto, das Obama auf einem Stuhl im Weißen Haus zeigt.

"Das ist das perfekte Sinnbild für die Kampagne der Republikaner: Ein alter, weißer Mann streitet mit einem imaginären Obama", meinte ein Twitter-Nutzer. "Ok, jetzt habe ich es kapiert: Clint hat Werbung für seinen neuen Film gemacht, in dem er einen senilen Achtzigjährigen spielt", schrieb ein anderer. "Ich weiß nicht, was trauriger ist", lautete ein weiterer Tweet. "Eastwoods Gespräch mit dem Stuhl oder die Delegierten, die das für die größte Sache der Welt halten." Fernsehkommentatoren vermuten, dass der Auftritt Eastwoods für mehr Gesprächsstoff sorgt als die Rede Romneys.

Aus Romneys Wahlkampfteam hieß es als Reaktion auf die Verwunderung über die merkwürdige Darbietung, dass eine "amerikanische Ikone" wie Eastwood nicht durch die "politische Linse" betrachtet werden könne. Seine "Improvisation" auf dem Parteitag sei eine Pause von den politischen Reden gewesen - "und den Zuschauern hat es gefallen."

Quelle: n-tv.de, jga/AFP

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