Politik

Wegen Böhmermann-Unterstützung Erdogan geht gegen Springer-Chef vor

fc644a862733ee0827951fe14a6cccaf.jpg

Erdogan hat eine einstweilige Verfügung gegen Döpfner beantragt.

(Foto: AP)

Der türkische Staatspräsident Erdogan zieht auch gegen jene gerichtlich zu Felde, die sich beim Thema Schmähgedicht auf die Seite von Jan Böhmermann geschlagen hatten. Nun erwischt es Springer-Chef Döpfner. Offen jedoch, ob Erdogan damit Erfolg hat.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine einstweilige Verfügung gegen Springer-Chef Mathias Döpfner beantragt. Es gehe dabei um dessen Unterstützung für das Schmähgedicht von Jan Böhmermann, sagte Erdogans Medienanwalt Ralf Höcker. Auch gegen Regisseur Uwe Boll, der Erdogan mit derben Worten bedacht hatte, beantragte Höcker eine einstweilige Verfügung. Dieser gab das Landgericht Köln bereits statt.

34ae71a8c74dea14da00f91abca79802.jpg

Mathias Döpfner

(Foto: dpa)

Im Fall von Springer-Chef Döpfner räumte Höcker dagegen ein, das Landgericht Köln habe schon angedeutet, der einstweiligen Verfügung eher nicht stattgeben zu wollen. Wenn die Verfügung nicht erlassen werden sollte, werde er Erdogan empfehlen, in die zweite Instanz zu gehen, sagte Höcker.

Höcke sagte, keiner von "Böhmermanns Trittbrettfahrern" könne sich sicher fühlen, wenn er Herrn Erdogan im Internet beleidige. "Böhmermann hat hier für einen Dammbruch gesorgt. Jeder glaubt, er könne problemlos Herrn Erdogan beleidigen."

Regisseur Boll wird in der einstweiligen Verfügung untersagt, auf Youtube veröffentlichte Aussagen zu wiederholen. Laut dem Beschluss machte er ähnlich wie Böhmermann Äußerungen unter der Gürtellinie. Bei Zuwiderhandlung droht Boll ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Außerdem muss er die Gerichts- und Anwaltskosten tragen.

Döpfner hatte in der Debatte um das Erdogan-Gedicht von Böhmermann in einem offenen Brief Partei für den Satiriker ergriffen. "Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht", schrieb der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses ("Bild", "WeltN24") in der "Welt am Sonntag". In einem Postskriptum fügte er hinzu: "Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen Ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen."

Quelle: ntv.de, kst/dpa