Politik
Zahnputzbecher und Handtücher in einer Kita in Potsdam.
Zahnputzbecher und Handtücher in einer Kita in Potsdam.(Foto: dpa)
Mittwoch, 17. Mai 2017

Riesige Betreuungslücke: Es fehlen 300.000 Krippenplätze

Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Doch einem Bericht zufolge haben vor allem Eltern in den alten Bundesländern Probleme, Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zu finden.

In Deutschland fehlen laut einem Medienbericht fast 300.000 Krippenplätze. In den alten Bundesländern gibt es 262.436 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zu wenig, in Ostdeutschland müsste es 31.050 Plätze mehr geben. Das schreibt die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Besonders viele Eltern suchen demnach in Nordrhein-Westfalen vergeblich eine Betreuung für ihr Kind: Mütter und Väter von 16,2 Prozent aller Kinder in diesem Alter, für die ein Bedarf besteht, fänden dort keinen Platz. Das entspreche 77.459 fehlenden Plätzen. In Bremen beträgt die Betreuungslücke dem Bericht zufolge sogar 20,2 Prozent (3763 Plätze). In Rheinland-Pfalz und Bayern sei die Quote ähnlich hoch. Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz.

Zu den Gründen für den Mangel sagte IW-Ökonom Wido Geis dem Blatt: "Frühkindliche Betreuung wird nicht mehr so negativ gesehen. Immer mehr Frauen wollen immer früher zurück in den Job, deshalb sind Familien früher auf Betreuung angewiesen." Der Bedarf werde noch wachsen.

Im Dezember hatten laut IW bundesweit rund 228.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gefehlt. Ein neues Investitionsprogramm soll bis zum Jahr 2020 für 100.000 zusätzliche Kita-Plätze sorgen.

"Die Kita-Zahlen zeigen: Wir brauchen mehr Betreuungsplätze", erklärte Familienministerin Manuela Schwesig. "Denn immer mehr junge Mütter und Väter möchten früher wieder in den Beruf zurückkehren, immer mehr Kinder werden geboren", sagte die SPD-Politikerin. Die Grünen-Familienpolitikerin Franziska Brantner nannte die Zahlen einen Beweis "für die halbherzige Familienpolitik der großen Koalition". Ein Rechtsanspruch allein reiche nicht aus - "nötig sind vor allem Investitionen in den Ausbau der Kitainfrastruktur".

Der Linken-Experte Norbert Müller forderte "ein Kitaqualitätsgesetz mit einer stärkeren Beteiligung des Bundes an den Kitakosten". Gleichzeitig müsse die Erzieherausbildung besser gefördert werden, erklärte er. Die Präsidentin des Deutschen Städtetags, Eva Lohse, forderte von Bund und Ländern zusätzliche Mittel. Die Städte würden solange weitere Plätze schaffen, bis alle Kinder versorgt seien, sagte Lohse der "Saarbrücker Zeitung".

Quelle: n-tv.de