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Terrorgruppen gut vernetzt Europol warnt vor reisenden Dschihadisten

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Reisende Dschihadisten sind schwer zu verorten.

Die blutigen Anschläge von Paris und Kopenhagen haben Europa aufgeschreckt. Und die Terrorgefahr ist laut EU-Polizeibehörde Europol keineswegs gebannt.

Die Terrorbedrohung in Europa ist nach Einschätzung der europäischen Polizeibehörde Europol hoch. Besondere Gefahr gehe von reisenden Dschihadisten aus, sagte Behördenchef Rob Wainwright vor dem Innenausschuss des Europaparlaments. Nicht nur die Terrormiliz Islamischer Staat sondern auch Gruppen aus dem Dunstkreis von Al-Kaida sind laut Wainwright in der Lage, Anschläge in Europa auszuführen.

"Wir sollten nicht vergessen, dass mit Al-Kaida verbundene Gruppen ausgesprochen gut gerüstet sind sogar für großangelegte, spektakuläre Angriffe in Europa", sagte er. Wainwright gab den Abgeordneten einen Überblick über Erkenntnisse seiner Behörde. So habe es 2014 etwas mehr als 200 Anschläge gegeben, gegenüber 152 Angriffen im Vorjahr. Die meisten dieser Angriffe seien separatistisch motiviert. Die blutigen Anschläge von Paris und Kopenhagen Anfang des laufenden Jahres sind in dieser Zählung noch nicht enthalten.

Laut Wainwright wurden im vergangenen Jahr 774 Menschen im Zusammenhang mit mutmaßlichen terroristischen Straftaten festgenommen. 2013 waren es laut einem früheren Bericht 535 Menschen gewesen. Festgenommene Terrorverdächtige hätten zumeist religiös gefärbte Beweggründe, ihr Anteil sei erheblich gestiegen, so Wainwright.

Angreifer nur schwer berechenbar

Selbst ernannte Gotteskrieger, die auf dem Weg in den Irak oder Syrien seien oder von dort kämen, seien als "radikalisierte einsame Angreifer" nur schwer berechenbar. Ihre Zahl sei nach Europol-Erkenntnissen gestiegen, auch sie könnten Anschläge durchführen und Wissen und Erfahrung weitergeben, sagte der Europol-Direktor. Nach einer ungefähren Schätzung gehe er von 5000 bis 6000 ausländischen Kämpfern aus, genaue Angaben seien aber schwierig.

Dschihadistische Gruppen legten ein "sehr hoch entwickeltes Verständnis" von sozialen Medien an den Tag und nutzten das Internet zunehmend. "Wir haben etwa 50.000 Twitter-Konten beobachtet, die von Unterstützern des Islamischen Staates genutzt werden und nicht weniger als 100.000 Tweets, die jeden Tag abgesetzt werden und Haltungen des Islamischen Staats unterstützen", erklärte Wainwright.

Wainwright konstatierte auch "wachsenden Antisemitismus" und mehr Anschläge religiös motivierter und rechtsradikaler Extremisten auf jüdische Ziele. "Mit wachsender Dauer des Konfliktes in Syrien und im Irak, könnten soziale Spannungen in Europa noch zunehmen. Dies hat bereits (...) zu einer Zunahme rechter, anti-islamischer Aktivitäten geführt." Der Europol-Chef forderte unter anderem mehr Ressourcen für seine Behörde.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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