Politik

"Ein QR-Code auf meinem Grab" FDP-Politiker Schulz stirbt mit 51 an Krebs

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Jimmy Schulz im Bundestagswahlkampf 2017. Kurz danach erfuhr er von seiner Erkrankung.

(Foto: imago/Future Image)

Seit dem Bundestagswahlkampf 2017 weiß Jimmy Schulz, dass er Krebs hat. Nun stirbt der FDP-Politiker mit nur 51 Jahren. Parteichef Lindner trauert um den Datenschutz-Spezialisten. Auf seinem Grab könne er sich einen QR-Code vorstellen, erzählte Schulz in einem seiner letzten Interviews.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz ist tot. Der 51-Jährige starb am heutigen Montag nach langer und schwerer Krankheit, teilte FDP-Fraktionschef Christian Lindner mit. Schulz litt an Krebs. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder. Lindner würdigte Schulz als Freund und als "herausragenden Freiheitskämpfer". Die Nachricht von seinem Tod "erfüllt uns mit großer Traurigkeit". "Jimmy Schulz wird uns sehr fehlen." Er sei "hartnäckig in der Sache" und zugleich "immer herzlich und lebensfroh" gewesen.

*Datenschutz

Auch Schulz' bayerischer FDP-Landesverband würdigte den Verstorbenen. "Mit seinem Tod verlieren wir nicht nur einen unserer engagiertesten Verfechter von Meinungsfreiheit und Datenschutz, sondern vor allem einen treuen Wegbegleiter und guten Freund", erklärte der Landesvorsitzende Daniel Föst.

Schulz, geboren in Freiburg, saß von 2009 bis 2013 und dann erneut seit 2017 für die FDP im Bundestag. Er arbeitete bei verschiedenen IT-Unternehmen und engagierte sich auch in der Digitalpolitik - als "Netzpolitiker der ersten Stunde" bezeichnete ihn Lindner. Bis zuletzt war Schulz Vorsitzender des Bundestagsausschusses Digitale Agenda.

Fünf Monate vor seinem Tod hatte Schulz in einem Interview mit dem "Spiegel" seine Krebserkrankung öffentlich gemacht. "Es ist Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wie Sie vielleicht wissen, gibt es da eine Überlebenschance von zwei Prozent. Zu diesen zwei Prozent gehöre ich nicht", sagte Schulz dem Magazin.

"Ich habe mit dem Leben abgeschlossen"

Dass mit ihm etwas nicht in Ordnung sei, habe er bereits 2017 gespürt, erzählte er. "Ich hatte schon während des Bundestagswahlkampfs 2017 Schmerzen. Ich dachte, das ist eine superstressige Zeit, da kann man Schmerzen haben vom Plakatieren, von wenig Schlaf, von schlechter Ernährung. Ich war bei drei Ärzten, aber die fanden nichts. Nach der Wahl war ich zum ersten Mal bei meinem Hausarzt, der mich zu einem Spezialisten schickte. Dieser wiederum hat mich sofort ins Krankenhaus eingewiesen."

Nach einer Operation an Bauchspeicheldrüse, Magen, Milz und Gallenblase seien bei ihm im August Metastasen in der Leber gefunden worden, berichtete Schulz weiter. Seitdem wisse er, dass er sterben müsse. Er habe die Ärzte gefragt, "lohnt es sich noch, Weihnachtsgeschenke für meine Kinder zu besorgen?" Die Antwort sei "nein" gewesen.

Mit seinem Tod komme er zurecht, sagte Schulz demnach. Er habe viel nachgedacht und mit dem Leben abgeschlossen. Wut empfinde er nicht und mit "Selbstmitleid kann ich nichts anfangen". Für die Ausgestaltung seines Grabes hatte der versierte Digitalpolitiker eine besondere Idee: "Ich könnte mir auf meinem Grab einen QR-Code vorstellen, den man mit seinem Handy scannen kann, das finde ich eine witzige Idee."

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP