Politik

Besuch im CDU-Vorstand Gauck gegen "Luxusängste"

Der künftige Bundespräsident Gauck besucht die CDU und stößt dort auf "einmütige Unterstützung". Den Christdemokraten sagt er, dass er den Menschen die Sorge vor neuen Technologien nehmen wolle. Auch soziale Ängste müsse man im historischen Kontext sehen.

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CDU-Generalsekretär Gröhe schenkt Gauck einen Kaffee ein.

(Foto: dpa)

Der parteiübergreifende Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, hat im CDU-Bundesvorstand angekündigt, gegen Mutlosigkeit in Deutschland auftreten zu wollen. Nach Angaben von Teilnehmern sprach er dabei auch davon, dass es "Luxusängste" in Deutschland gebe.

Als Beispiele habe er etwa die Sorge vor der Vogelgrippe oder Ehec genannt. Zudem habe er darauf hingewiesen, dass man gesellschaftliche Probleme und soziale Ängste immer im Kontext sehen müsse. Auch Arme hätten heute in Deutschland mehr als eine "Großmutter in den 30er Jahren", wurde er von Teilnehmern zitiert.

Weiter sagte Gauck nach Angaben von Teilnehmern, er wolle in seiner Zeit als Bundespräsident den Menschen die Sorge vor neuen Technologien nehmen. Zudem habe er auch seine Interviewäußerungen zu Thilo Sarrazin und der Occupy-Bewegung erläutert.

"Freiheit und Verantwortung"

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Bei der SPD muss Gauck sich selbst bedienen.

(Foto: dpa)

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hob Gaucks "zentrales und sicher einer bürgerlichen Partei sehr nahes Motiv" des Zusammenhalts von Freiheit und Verantwortung hervor. Der frühere DDR-Bürgerrechtler habe aber etwa auch darüber gesprochen, ermutigend im Hinblick auf Sorgen gegenüber dem technologischen Fortschritt wirken zu wollen, sagte Gröhe nach der Vorstandssitzung.

"Gauck wird ein sehr guter Bundespräsident werden", so Gröhe weiter. Gauck verstehe sich als "Ermutiger", der gegen übertriebene Ängste anargumentieren wolle. Es habe eine "einmütige Unterstützung" im Bundesvorstand gegeben. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hatte Gauck ursprünglich als Bundespräsidenten verhindern wollen, sich aber gegen die FDP nicht durchsetzen können.

"Gespräch war ein richtiges Gespräch"

Gauck selbst sagte, er sei im CDU-Vorstand "überraschend offen" aufgenommen worden. Er habe nicht nur Kritikpunkte an seiner Person angesprochen, sondern auch Grundfragen, die in der Gesellschaft zu lösen seien. "Dadurch war das ganze Gespräch ein richtiges Gespräch und hatte eine Dimension, die nicht unbedingt zu erwarten war", sagte Gauck.

Nach der CDU besuchte der 72-Jährige auch die SPD, die den Theologen und einstigen Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde bereits vor fast zwei Jahren zusammen mit den Grünen zur damaligen Bundespräsidentenwahl vorgeschlagen hatte. Parteichef Sigmar Gabriel überreichte ihm beim Besuch im SPD-Vorstand Willy Brandts Buch "Links und frei". Gaucks aktuelles Buch trägt den Titel "Freiheit".

Die SPD freue sich, dass er zum zweiten Mal im SPD-Vorstand zu Gast sei und der nächste Bundespräsident werde, sagte Gabriel. Bei der Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung am 18. März ist Gauck eine breite Mehrheit sicher, da er von Union, FDP, SPD und Grünen unterstützt wird. Die Neuwahl ist durch den Rücktritt von Christian Wulff erforderlich geworden, gegen den Gauck im Juni 2010 noch unterlegen war.

Quelle: n-tv.de, hvo/rts/dpa

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