Politik

Berlin muss mit Trump umgehen "Geisteskranke" trifft auf "Hassprediger"

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Bei aller Ablehnung: Die Deutschen werden sich mit Donald Trump arrangieren müssen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Präsident Donald Trump ist bald Realität. Dieser kann sich auch die Bundesregierung nicht verschließen. Angela Merkel hat bereits einen wichtigen Grundstein für die künftige Zusammenarbeit gelegt.

Das ist ein Novum nach einer US-Präsidentenwahl: Überall ernste Mienen bei den deutschen Spitzenpolitikern. Donald Trumps Wahlsieg löst in Berlin großes Unbehagen aus. Selbst Außenminister Frank-Walter Steinmeier, den eigentlich nichts aus der Ruhe bringt, will seine Erschütterung über das Wahlergebnis, das seine politische Freundin Hillary Clinton ins politische Jenseits befördert, nicht verbergen. Seine Chefin Angela Merkel gratuliert Trump zwar, aber die Bundeskanzlerin verbindet ihre Glückwünsche mit einer klaren Forderung an den Milliardär, der im Wahlkampf nicht gerade zimperlich mit ihr und der Bundesregierung umgegangen ist. Eine enge Zusammenarbeit mit der Trump-Administration ja, aber nur auf einer gemeinsamen Wertebasis, so Merkels deutliche Ansage an den künftigen US-amerikanischen Präsidenten.

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Angela bei ihrem Statement zum Wahlsieg von Trump.

(Foto: imago/IPON)

Die kühle und bestimmte Reaktion ist verständlich, denn die Kanzlerin hat kräftig einstecken müssen. Merkel sei eine Regierungschefin ohne jede Kontrolle, die Terroristen ins Land lasse, sie sei ein "Desaster für Deutschland und das deutsche Volk", tönte Trump im Wahlkampf. Er behauptete, die Kriminalität sei in Deutschland "auf ein Niveau gestiegen, das niemand glaubte, jemals zu erleben". Er wurde sogar richtig beleidigend: Er bezeichnete Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik als "geisteskrank". Diese Äußerung wird Merkel nicht aus ihrem Gedächtnis streichen.

Aber es gab auch eine verbale Breitseite aus Berlin gegen den krawalligen Immobilientycoon. Chefdiplomat Steinmeier nannte ihn vor der Wahl - ganz undiplomatisch - einen "Hassprediger". Auch der Vizekanzler wirft sich nun ins Getümmel. Trump sei "Vorreiter einer autoritären und chauvinistischen Internationale", so Sigmar Gabriel mit Verweis auf Wladimir Putin, Marine Le Pen und Recep Tayyip Erdogan. Solche schrillen Töne zwischen Berlin und Washington gab es in der Nachkriegszeit nie. Man könnte denken, nach dem Wahlerfolg von Donald Trump droht ein Abbruch der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

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Keine souveräne Reaktion von Frank-Walter Steinmeier.

(Foto: dpa)

Dem ist natürlich nicht so. Dennoch darf man auf das erste Zusammentreffen Merkels mit Trump gespannt sein. Die pragmatische Kanzlerin wird sich natürlich nichts anmerken lassen und ihm die Hand geben. Auch der Amerikaner wird im Rahmen seiner diplomatischen Möglichkeiten mit einem breiten Grinsen aufwarten und Merkel über den grünen Klee loben. In der Endzeit des Wahlkampfes ("Merkel ist eine großartige Politikerin") hat er bereits damit begonnen. Business as usual ist angesagt, man wird zur politischen Tagesordnung übergehen beziehungsweise übergehen müssen.

Denn Deutschland braucht die USA mehr als die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik. So bringt es überhaupt nichts, wenn Steinmeier kundtut, dass die Mehrheit der Deutschen sich den Sieg des New Yorker Rechtspopulisten nicht gewünscht hätte und dem designierten mächtigsten Mann der Welt den Glückwunsch zum Wahlsieg verweigert. Fakt ist: Die Pflege der transatlantischen Beziehungen ist für die Bundesrepublik eine existenzielle Frage. Auch wenn Trump während seiner Kampagne den Eindruck erweckt hat, auf die Europäer und die Nato zu pfeifen, ist eine Zusammenarbeit mit ihm notwendig, um das gute Verhältnis zur Supermacht beizubehalten.

Eigene Wutbürger im Nacken

Mit Trump wird das nicht einfach, sondern vielleicht sogar sehr mühselig. Aber auch andere US-Präsidenten waren für deutsche Politiker eine große Herausforderung. So waren die Beziehungen Willy Brandts zu Richard Nixon alles andere als herzlich. Brandts Nachfolger Helmut Schmidt hatte große Probleme mit Jimmy Carter. Und die Spannungen zwischen Gerhard Schröder und George W. Bush wegen des Irakkrieges sind nicht vergessen. Aber über diesen persönlichen Animositäten stand immer die Notwendigkeit der Pflege des guten deutsch-amerikanischen Verhältnisses bei einer immer komplizierter werdenden Weltlage.

Aber Deutschlands Polit-Elite treibt noch eine andere Sorge um: die Wutbürger im eigenen Land. Auch hierzulande wächst die  Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien. Nicht umsonst verzeichnet die AfD, deren Parteichefin Frauke Petry es sehr eilig hatte, ihre Freude über Trumps Wahlsieg zu verkünden, in den Bundesländern Wahlerfolge. Im kommenden Jahr werden die Blauen mit großer Wahrscheinlichkeit auch in den Bundestag einziehen. Auch deshalb reagieren Steinmeier, Gabriel und andere äußerst dünnhäutig auf die Ereignisse jenseits des großen Teiches.

Doch übergroße Empfindlichkeit ist im politischen Geschäft zwischen Verbündeten fehl am Platz. Die "Geisteskranke" und der "Hassprediger" sind wegen der vielen Probleme auf dem Erdball zur Zusammenarbeit verdammt. Sie werden das auch irgendwie hinbekommen.

Quelle: ntv.de

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