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Reaktion auf den Anschlag von Paris Gesetze sind keine ausreichende Antwort

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(Foto: AP)

Terror bleibt Terror, Mord bleibt Mord. Der Staat hat Gesetze, mit denen er den Tätern begegnen wird. Aber das alleine reicht nicht.

Noch ist unklar, ob und welche Verbindungen die drei Attentäter zu Syrien-Rückkehrern haben. Doch fest steht, dass der Anschlag auf "Charlie Hebdo" den radikalen Kräften des Islamismus in die Hände spielt. Dschihadisten machen kein Geheimnis daraus, dass sie den Dschihad nicht auf muslimische Länder beschränken wollen. Ihr Ziel ist ein globaler Gottesstaat, der sich gegen alle Ungläubigen richtet und die Gesellschaft den radikalen Leitlinien dieser Fanatiker unterwirft.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis dies auch Europa zu spüren bekommt. Jetzt ist es passiert. Der Anschlag von Paris erfolgte mit Ansage. Wie darauf reagieren? Terror bleibt Terror, Mord bleibt Mord. Dafür gibt es Gesetze, die zur Anwendung kommen müssen. Ohne Wenn und Aber. Dennoch ist das alleine keine ausreichende Antwort.

Der Anschlag trifft Frankreich, trifft Europa zu einer Zeit, da unsere Gesellschaften eine Debatte über die Grundwerte kultureller und religiöser Vielfalt und Toleranz einerseits und sich verfestigende Pauschal-Vorurteile gegen den Islam andererseits führen. Diese Debatte muss weiter geführt werden, jetzt erst recht.

Wofür stehen Werte wie Freiheit und Offenheit, die den europäischen Gesellschaften über Jahrzehnte Ausstrahlung verliehen haben? Wie wollen wir diese verteidigen?

Glaubensfreiheit, gegenseitige Achtung von Kultur und Tradition dürfen nicht verhandelbar werden. Dass das geht, hat Norwegen nach dem Massenmord von Anders Breivik gezeigt, dessen Gesellschaft ein tiefes Vertrauen in diese Werte gezeigt und noch enger zusammengewachsen ist. Ohne Hysterie, ohne den Wunsch nach Vergeltung.

Nur auf dieser Basis kann es gelingen, die Gesellschaften in Europa, die längst Zuwanderungsgesellschaften - vor allem für Muslime - sind, weiterzuentwickeln. Alles andere führt in die Sackgasse.

Dass die populistische Pegida-Bewegung versucht, den Anschlag von Paris zu instrumentalisieren, ist zynisch. Ihre Initiatoren haben aufgerufen, am nächsten Montag mit Trauerflor in Dresden auf die Straße zu gehen. Gerade noch haben sie die Journalisten der Mainstream-Presse bezichtigt, aktiv zur Unterwanderung des Abendlandes durch den Islam beizutragen. Und nun will Pegida ausgerechnet die getöteten "Charlie Hebdo"-Journalisten für sich und ihre Ziele vereinnahmen. Das haben die Opfer von Paris nicht verdient.

Je suis Charlie. Wir alle sind Charlie.

Quelle: n-tv.de

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