Politik

Kurz vor Ende der Zulassung Glyphosat erhält Gnadenfrist in der EU

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die EU-Staaten finden keine einheitliche Linie - und so drückt die EU-Kommission die Entscheidung im Alleingang durch: Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat darf befristet weiter auf den Feldern ausgebracht werden. Zufrieden ist damit letztlich aber niemand.

Der umstrittene Unkrautkiller Glyphosat darf in der EU weiter eingesetzt werden. Die Kommission verlängerte die Zulassung um weitere 18 Monate. Die Entscheidung war erwartet worden. Glyphosat ist das derzeit in der EU am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutzmittel. Es steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen. Dazu gibt allerdings zahlreiche widersprüchliche Studien. In der jetzt genehmigten Übergangszeit soll die europäische Chemikalienagentur Echa bewerten, wie sie die Krebsgefahr des Mittels einschätze. Die bisherige Zulassung von Glyphosat läuft am morgigen Donnerstag aus.

Der Industrieverband Agrar (IVA), der Pestizid- und Düngemittelhersteller vertritt, hatte die sich abzeichnende Befristung als unbefriedigende Zwischenlösung bezeichnet und vielmehr eine Genehmigung für 15 Jahre gefordert.

EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis hatte bereits angekündigt, dass die EU-Kommission die Zulassung im Alleingang um 18 Monate verlängern wird. Erst am Freitag war sie im vierten Anlauf damit gescheitert, dafür eine ausreichende Mehrheit der Mitgliedstaaten zu gewinnen. So hatte sich etwa Deutschland enthalten. Denn die Große Koalition liegt in der Frage über Kreuz. Während Kanzlerin Angela Merkel und die Unionsparteien für die weitere Zulassung plädierten, lehnten die SPD-Minister dies unter Verweis auf mögliche Gesundheitsgefahren ab.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) beklagte, die EU-Kommission und die Vertreter der meisten EU-Staaten hätten sich "offenkundig von den Interessen der Agrarindustrie leiten lassen". Bis zum Beweis der Unbedenklichkeit für Gesundheit und Umwelt habe Glyphosat verboten werden sollen, forderte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner sprach von einer "allerletzten Galgenfrist" für Glyphosat. Allerdings werde sich während dieser Zeit nichts an der Nutzung des Stoffes ändern, beklagte er.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa