Politik

Die Mauer leuchtet Grenze aus Lichtballons durchzieht Berlin

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Ballonstelen entlang des ehemaligen Verlaufs der Mauer vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Die Laternen sind Teil des Projekts "Lichtgrenze 2014".

(Foto: dpa)

Selbst viele Berliner wissen nicht mehr, wo genau in ihrer Stadt die Grenze verlief. Zum Jahrestag des Mauerfalls haben Lichtkünstler eine sehr symbolische Installation geschaffen: Leuchtballons zeichnen den ehemaligen Grenzverlauf nach - und steigen dann in den Himmel.

Zum Mauerfall-Jubiläum wird zwischen West- und Ost-Berlin wieder eine Grenze errichtet: eine Lichtgrenze aus rund 8000 leuchtenden Ballons. Sie werden auf einer Strecke von 15 Kilometern von Nord nach Süd im Zentrum der Hauptstadt positioniert. Die Ballon-Reihe soll an die Berliner Mauer erinnern, die vor 25 Jahren, am 9. November 1989, fiel.

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Die Lichtgrenze im Engelbecken in Friedrichshain-Kreuzberg.

(Foto: imago/PEMAX)

Im Gegensatz zur Mauer sei die Lichtgrenze leicht und durchlässig, sagt der Berliner Lichtkünstler Christopher Bauder, der gemeinsam mit seinem Bruder Marc die Idee zu der Installation hatte. Sie ist das zentrale Event bei den Feiern zum Gedenken an den Mauerfall vor einem Vierteljahrhundert. "Licht zieht Menschen magisch an", sagt Bauder.

Die weißen Ballons aus Naturkautschuk haben einen Durchmesser von 60 Zentimetern und sind auf 2,50 Meter hohen Karbonrohren angebracht. Diese stecken wiederum in einem Kunststoff-Fuß, der mit 20 Litern Wasser gefüllt ist. Jedes Element der Lichtgrenze wurde extra für diese Installation hergestellt.

Von Freitag bis Sonntag

Die Ballons werden von Freitag gegen 17 Uhr bis Sonntagabend im Abstand von etwa 2,50 Metern dort stehen, wo früher die Mauer verlief. "Einige Straßen müssen für die Installation gesperrt werden", sagt Marc Bauder. Damit erinnere die Lichtgrenze noch mehr an die Mauer, die von 1961 bis 1989 bestand: Sie verhinderte den Fluss des Verkehrs und damit die Bewegung von einem Teil Berlins zum anderen.

In der Halterung der Ballons sind kleine Strahler angebracht. Dadurch wird die Lichtgrenze wie eine leuchtende Perlenkette Berlins Zentrum durchziehen. "Die visuelle Idee ist ergreifend", sagt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Berlin-eigenen Gesellschaft Kulturprojekte, die das Event organisiert.

Ballons haben Paten

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Aufbau der Installation entlang des ehemaligen Mauerverlaufs im Berliner Mauerpark.

(Foto: imago/Seeliger)

Doch das reichte den Planern nicht aus. Sie erfanden so genannte Ballonpaten: Menschen, die am Sonntagabend neben einem Ballon stehen. "Sie schreiben außerdem Botschaften, die an den Ballons befestigt werden", sagt von Dülmen.

Die Vorbereitungen für die Lichtgrenze, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgen dürfte, sind aufwändig. Die rund 8000 Paten müssen gefunden, verteilt und instruiert werden - eine logistische Mammutaufgabe. Auf ein Signal hin sollen sie am Sonntag ab 19.00 Uhr einen Ballon nach dem anderen in die Höhe entschwinden lassen.

"Immer noch ein Wunder"

Einer der Paten ist Klaus Katsch, Leiter des Posaunenchors der Kreuzkirche in Berlin-Mahlsdorf. Der 71-Jährige will mit rund 40 Bläsern zur Lichtgrenze kommen und dort auch Musik machen. "Wir haben schon am 4. Advent 1989 am Brandenburger Tor gespielt", sagt er. Katsch war es ein Bedürfnis, beim Jubiläum mitzumachen. "Für uns Alte ist es immer noch ein Wunder", sagt er zum Mauerfall.

Die Juristin Mechthild Zumbrägel war noch Studentin in Bonn, als die Mauer fiel. Auch sie ist Patin geworden - gemeinsam mit Vertretern der Schule in Berlin-Reinickendorf, die ihre Kinder besuchen. Auf diese Schule gingen vor dem Mauerbau Kinder aus West- und Ostbezirken gemeinsam, und heute sei das wieder so.

Starke Optik

Manche Lehrer fänden die Lichtgrenze zu vordergründig, berichtet sie, aber "für die Jungen ist sie perfekt". Dank der starken Optik werde die deutsch-deutsche Grenze auf einmal wieder greifbar. Die Teilnahme an der Lichtgrenze löse viele Gespräche aus. Das sei ihr am wichtigsten.

Die Brüder Bauder rechnen damit, dass die Ballons bis zur Ostsee, nach Polen oder zumindest ins Umland fliegen - "je nach Windstärke", wie Christopher Bauder sagt. Wer immer einen finde, werde in die große Installation involviert und werde sich sicher über das historische Ereignis des Mauerfalls Gedanken machen.

Quelle: ntv.de, Mechthild Henneke, AFP