Politik

"Hexenjagd auf Andersdenkende" Großeinsatz gegen Erdogan-Gegner

Die türkische Polizei geht mit einer landesweiten Razzia gegen Anhänger des mit Präsident Erdogan verfeindeten islamischen Predigers Gülen vor. Dabei werden auch die Redaktionsräume der Gülen-nahen Zeitung "Zaman" in Istanbul durchsucht.

Türkische Sicherheitskräfte sind landesweit mit einer Großrazzia gegen Journalisten und angebliche Regierungsgegner bei der Polizei vorgegangen. Dabei sei unter anderem der ehemalige Chef der Istanbuler Anti-Terror-Einheit festgenommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Sicherheitskräfte hätten zudem das Gebäude der Zeitung "Zaman" in Istanbul durchsucht. Vor dem Redaktionshaus hätten sich Unterstützer versammelt und gegen die Razzia protestiert. Berichte, der Chefredakteur der Zeitung, Ekrem Dumanli sei festgenommen worden, dementierte dieser über Twitter.

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Angestellte der "Zaman"-Gruppe widersetzen sich den Sicherheitskräften im Hauptgebäude des Medienunternehmens.

(Foto: dpa)

Der türkische Fernsehsender NTV berichtete, insgesamt seien 32 Haftbefehle in 13 Provinzen erlassen worden. "Zaman" und der Medienkonzern Samanyolu stehen dem in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen nahe. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wirft Gülen vor, Polizei und Justiz unterwandert zu haben und die Regierung stürzen zu wollen.

Erdogan "schadet der Türkei"

Gülen weist das zurück und sprach in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" von einer "Hexenjagd" gegen Andersdenkende. "Das bestehende politische System stempelt nicht nur Menschen als schädliche Elemente ab, die unsere Bewegung unterstützen, sondern fast alle, die nicht der Macht nahestehen oder Geschäfte mit ihr machen wollen", sagte Gülen der "SZ".

Gülens "Hizmet"-Bewegung kämpfte früher vor allem gegen die Macht des Militärs in der Türkei. Inzwischen kämpfe seine Bewegung "gegen das Joch einer Partei", sagte Gülen unter Hinweis auf die von Erdogan gegründete Regierungspartei AKP. Unter der Herrschaft Erdogans sei die Türkei zu einem "Parteienstaat und eigentlich sogar Ein-Mann-Staat" geworden. Dadurch verliere die Türkei im Ausland "jeden Tag an Ansehen".

Erdogan sieht auch hinter den vor einem Jahr aufgetauchten Korruptionsvorwürfen gegen seine Regierung die Gülen-Bewegung als Urheber. Als Reaktion ließ Erdogan noch vor seinem Wechsel vom Amt des Ministerpräsidenten in das Amt des Staatschefs im August tausende mutmaßliche Anhänger des Predigers in Polizei und Justiz versetzen und Schulen der Gülen-Bewegung schließen. Gülen lebt seit Ende der 1990er Jahre im Exil in den USA.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP/dpa

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