Politik

Gutachten zu totem Syrer Haft von Amad A. wird noch rätselhafter

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Was passierte in Amad A.s Zelle in der JVA Kleve und warum kam er überhaupt in Haft? Der parlamentarische Untersuchungsausschuss hat mehr Fragen als Antworten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der unbescholtene Amad A. wird verhaftet und stirbt auf rätselhafte Weise in seiner Gefängniszelle. Angeblich soll er selbst Feuer gelegt haben, doch daran gibt es Zweifel. Nun widerlegt ein Gutachten auch den offiziellen Haftgrund: Der Syrer sei verwechselt worden, sagten die Behörden. Das kann nicht stimmen.

Im Fall des unschuldig eingesperrten und zu Tode gekommenen Syrers Amad A. hat eine Gutachterin den bisherigen Ermittlungsergebnissen deutlich widersprochen. In ihrem vertraulichen Gutachten an den Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags führt die Expertin aus, dass die fälschliche Zusammenführung zweier Personen-Datensätze erst drei Tage nach der Verhaftung des Syrers erfolgt sei. Somit habe er bei seiner Verhaftung gar nicht mit einem Afrikaner verwechselt werden können.

Der Syrer war den bisherigen Ermittlungen zufolge im Juli 2018 irrtümlich wegen eines Haftbefehls eingesperrt worden, der angeblich für den dunkelhäutigen Amedy G. aus Mali galt. Der hellhäutige Amad A. hatte daraufhin wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis gesessen. Dann soll er in seiner Zelle selbst Feuer gelegt und dabei so schwere Verbrennungen erlitten haben, dass er im September 2018 in einer Klinik starb.

Gegen die Polizisten, die den 26-Jährigen festgenommen hatten, war wegen Freiheitsberaubung ermittelt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen aber eingestellt, weil die Beamten nicht vorsätzlich gehandelt hätten: Sie hätten bei ihren Datenabfragen fehlerhafte Angaben erhalten. Der Syrer sei fälschlich zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, weil eine Sachbearbeiterin in Siegen die Datensätze des Syrers mit denen des Gesuchten aus Mali zusammengeführt habe.

Alias-Namen erst drei Tage nach der Verhaftung verfälscht

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Die Zelle von Amad A. in der Justizvollzugsanstalt Kleve.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dieser Version widerspricht die Gutachterin nun deutlich: Erst drei Tage nach der Festnahme des Syrers seien Alias-Namen verfälscht worden. Am Tag seiner Festnahme gebe es nichts, das ein "Versehen" und die Verwechslung erklären könnte. Es stelle sich vielmehr die Frage, wieso der Beamte, der in Hamburg Haftbefehle des Maliers für den Syrer anforderte, behauptet habe, beide Personen seien identisch.

Auch an der These von einem Suizid des Syrers in der Haft hatte es zuvor Kritik gegeben: Experten zogen des Brandgutachten der Staatsanwaltschaft zum angeblichen Geschehen in der Justizvollzugsanstalt Kleve massiv in Zweifel. "So wie der Brand von der Staatsanwaltschaft beschrieben wurde, ist er nicht möglich", sagte Korbinian Pasedag vom Institut für Brand- und Löschforschung in Dippoldiswalde Anfang Dezember dem ARD-Magazin "Monitor". Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der seit Ende November tagt, hieß es daraufhin, "wir wissen nicht, wie und warum Ahmed A. gestorben ist".

Quelle: ntv.de, mau/dpa