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IS im Irak rüstet zur Verteidigung Hilft Iran bei Rückeroberung Ramadis?

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Ein sunnitischer Stammeskämpfer im Gefecht mit dem IS. Jetzt könnten die irakischen Truppen und Milizen Verstärkung aus dem Iran bekommen.

(Foto: AP)

Die irakische Armee bereitet den Sturm auf die von der IS-Miliz überrannte Stadt Ramadi vor. Gleichzeitig erlebt Bagdad einen regen Besucherverkehr aus Teheran. Die Zusammenarbeit geht längst über "Militärberatung" hinaus.

Der Iran hat sich "zu jeder Hilfe" bereiterklärt, um den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westirak zu stoppen. Dies sei auch der Grund für die Reise des iranischen Verteidigungsministers Hussein Dehghan nach Bagdad zu Verhandlungen mit seinem irakischen Amtskollegen, sagte eine Außenamtssprecherin. Ob der Iran auch an Militäreinsätzen gegen den IS in der westirakischen Provinzhauptstadt Ramadi teilnehmen werde, wollte sie nicht sagen.

Der Iran hat bisher nur bestätigt, mit Militärberatung die Bekämpfung des IS zu unterstützen. Eine weitergehende direkte Zusammenarbeit mit den irakischen Streitkräften und den kurdischen Peschmergas gilt aber als offenes Geheimnis, zumal die sunnitischen IS-Extremisten auch für den schiitischen Iran eine Gefahr darstellen.

Beide Seiten rüsten für Schlacht

Die irakischen Regierungstruppen stehen offenbar unmittelbar vor einem Rückeroberungsfeldzug auf Ramadi. Bereits am Dienstag brachte die Armee rund um Ramadi Panzer und Artillerie-Geschütze in Stellung. Die Islamisten legten auf ihrer Seite Minenfelder an und errichteten Verteidigungsanlagen.

Ein Vertreter der örtlichen Regierung rief die Bevölkerung auf, sich während der Kämpfe gegen den IS zu erheben. Aufseiten der Armee stehen auch Tausende schiitische Milizionäre bereit, die Stadt zurückzuerobern. Sie sprachen von einer bevorstehenden "Schlacht um Anbar".

Der IS hatte am Sonntag Ramadi eingenommen und damit der irakischen Regierung und ihren US-geführten Verbündeten eine deutliche Niederlage zugefügt. Insbesondere in den USA ist der Einsatz der schiitischen Milizen gegen den sunnitischen IS umstritten, da sie vom Iran unterstützt werden. Auch auf iranischer Seite gibt es Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit den USA. Dazu soll Teheran erst bereit sein, wenn Washington das für Ende Juni geplante Abkommen über das iranische Atomprogramm billigt.

Flüchtlinge sitzen fest

Die Zivilbevölkerung versucht unterdessen aus dem Gebiet zu fliehen. Doch nicht allen gelingt das. Augenzeugen berichteten etwa, dass drei Kinder und zwei Frauen an einer von der Armee gesperrten Brücke hinter Ramadi in großer Hitze und ohne medizinische Versorgung gestorben seien.Nach UN-Angaben sind rund 40.000 Menschen aus Ramadi geflohen.

An der Euphrat-Brücke Bsebis westlich von Bagdad sitzen nach Angaben des Rates der Provinz Al-Anbar seit Freitag mehrere Tausend Flüchtlinge fest. Das Militär hat den Übergang gesperrt, weil es befürchtet, dass mit den Flüchtlingen heimlich IS-Kämpfer in die Hauptstadt gelangen könnten.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/rts

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