Politik

IS soll Giftgas eingesetzt haben Hinweise auf Chemiewaffen in Syrien

RTX1MOEZ.jpg

In und um Aleppo wird gekämpft: Marea liegt rund 20 Kilometer nördlich in Richtung türkischer Grenze.

(Foto: REUTERS)

In Syrien scheint sich ein schwerwiegender Verdacht zu bestätigen. Die Terrormiliz Islamischer Staat soll bei Aleppo chemische Kampfstoffe einsetzen. Ärzte berichten von grausigen Symptomen.

In Syrien gibt es neue Hinweise auf den Einsatz von Chemiewaffen. Mehr als 50 Artilleriegeschosse seien im Zentrum der Rebellenhochburg Marea in der nördlichen Provinz Aleppo eingeschlagen, erklärte der Aktivist und Journalist Mamun al-Chatib. Er leitet die oppositionelle Nachrichtenagentur Sabha. Die Granaten hätten einen "furchtbaren Gestank" verbreitet, hieß es.

Al-Chatib machte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für den Angriff verantwortlich. Die fanatischen Islamisten versuchen seit Monaten, die Stadt einzunehmen. Mehrere Hilfsorganisationen bestätigen al-Chatibs Berichte über einen Angriff mit Chemiewaffen. Ärzte ohne Grenzen (MSF) teilte mit, ihre Mitarbeiter hätten Zivilisten behandelt, die in Marea offenbar einem chemischen Kampfstoff ausgesetzt gewesen seien.

Symptome deuten auf Senfgas hin

Die Syrian American Medical Society (SAMS) erklärte, ihre Ärzte hätten den Stoff als Senfgas identifiziert. In ihrem Feldlazarett in Marea seien 50 Patienten mit Symptomen von chemischen Kampfstoffen behandelt worden. Rund 30 Zivilisten hätten Blasen auf der Haut gehabt. Es seien Blut-, Haar- und Kleidungsproben genommen worden, um diese näher zu untersuchen.

Anderen Angaben zufolge mussten Ärzte eines Krankenhauses in der Region Fälle von schwerer Atemnot, Husten, Haut- und Augenirritationen behandeln. Insgesamt seien 25 Menschen betroffen, vier Schwerverletzte seien zur Behandlung in die Türkei gebracht worden.

Geheime Giftgas-Reserven?

Woher die mutmaßlich Kampfstoffe stammen, ist noch unklar. Die syrische Regierung hat seit 2013 unter internationalem Druck ihre gesamten Chemiewaffenbestände vernichtet, darunter auch mehr als 19 Tonnen Senfgas, dessen Einsatz seit 1993 international verboten ist. Deutschland war an der Entsorgung der hochgiftigen Kampfstoffe beteiligt.

Von der Frage, woher das Giftgas stammt, hängt viel ab: Von der Bestimmung der genauen Herkunft der Bestände erhoffen sich Geheimdienstexperten Antworten, welche Mengen den IS-Kämpfern zur Verfügung stehen.

Die US-Regierung hält es für wahrscheinlich, dass die Dschihadistenmiliz bereits Senfgas gegen kurdische Kämpfer im Irak eingesetzt hat. Die Chemikalie stammte demnach womöglich aus den auf internationalen Druck aussortierten Beständen der syrischen Regierung oder aus dem Irak.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, jgu/AFP

Mehr zum Thema