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Ganztägige Grundschule Hunderttausende Betreuungsplätze fehlen

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Die Bundesregierung will bis 2025 Ganztagsbetreuungsplätze für alle Grundschüler.

(Foto: picture alliance / Uwe Anspach/d)

Die große Koalition will eine Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder. Die Kapazitäten dafür sind allerdings längst nicht vorhanden. Eine Studie hat nun berechnet, wie viele Plätze fehlen und was das Projekt kosten würde.

Bundesweit fehlen einer Studie zufolge Hunderttausende Plätze für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern. Wie das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in einer Untersuchung berechnete, muss der Staat bis 2025 zwischen 322.000 und 665.000 neue Plätze schaffen, um den geplanten Rechtsanspruch umzusetzen. Dafür wären je nach Szenario 1,9 Milliarden bis 3,9 Milliarden Euro Investitionen nötig.

Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder vorgesehen. Damit soll Eltern geholfen werden, Familie und Beruf zu vereinbaren – alle Kinder sollen gleiche Bildungschancen bekommen.

Bereits heute haben Eltern ab dem ersten Lebensjahr ihrer Kinder bis zu deren Schuleintritt einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Längst nicht alle Eltern in Deutschland aber können ihre Grundschulkinder in Ganztagsschulen oder Horten unterbringen. "Nur einem Teil der Eltern gelingt es bislang, ihre Betreuungswünsche zufriedenstellend zu erfüllen", sagt DJI-Direktor Thomas Rauschenbach. "Die Unterversorgung ist regional unterschiedlich."

Teure Lücke zu schließen

Die DJI-Forscher befragten für ihre Berechnungen zunächst Eltern nach deren Wünschen. "Der von den Eltern genannte Bedarf an einem Ganztagsbetreuungsangebot im Grundschulalter lag im Jahr 2017 bei 71 Prozent", erklärte Studienleiter Christian Alt. Derzeit gebe es aber nur für 48 Prozent ein entsprechendes Ganztagsangebot. Diese Lücke will die Bundesregierung bis zum Jahr 2025 schließen.

In Deutschland gibt es aktuell rund 2,8 Millionen Kinder im Grundschulalter. Die Forscher nahmen für diese einen Betreuungsbedarf von 40 Stunden in der Woche an. Derzeit würden davon 21,2 Stunden durch Unterricht abgedeckt, also müssten die Kinder 18,8 Stunden pro Woche zusätzlich betreut werden. Um alle aktuellen Elternwünsche in Deutschland durch ein entsprechendes Angebot abzudecken, wären laut DJI 665.000 zusätzliche Betreuungsplätze nötig.

Dafür müssten bis 2025 fast 4 Milliarden Euro investiert werden. Der Betrieb würde in diesem Fall jährlich 2,6 Milliarden Euro kosten. Für eine Übermittagsbetreuung bis maximal 14.30 Uhr wären hingegen nur 322.000 zusätzliche Ganztagsplätze nötig. Für diese wären Investitionen in Höhe von knapp 2 Milliarden Euro nötig, die Betriebskosten lägen bei 1,3 Milliarden Euro jährlich.

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Quelle: n-tv.de, lwe/AFP

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