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Brite kuwaitischer Abstammung IS-Henker "Jihadi John" ist identifiziert

Die Ermittler sind mehrmals auf einer falschen Fährte, doch nun scheint der Mann zweifelsfrei identifiziert zu sein, der vor einem halben Jahr erstmals als IS-Henker "Jihadi John" in Erscheinung trat. Seine Radikalisierung dauerte Jahre und blieb nicht unbemerkt.

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Es waren wenige Puzzleteile, die zur Identifizierung des britischen Dschihadisten führten. Wie genau dies gelungen ist, darüber schweigt Scotland Yard.

(Foto: AP)

Der berüchtigte Henker der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), der in den Medien als "Jihadi John" bezeichnet wird, ist offenbar identifiziert. Es handele sich um den etwa 27 Jahren alten Mohammed Emwasi, der früher im Londoner Westen gelebt hat. Das berichtet die BBC.

Er sei seit längerem auf dem Radar britischer Geheimdienste, hieß es unter Berufung auf verlässliche Quellen. Aus ermittlungstaktischen Gründen sei seine Identität bislang nicht bekanntgemacht worden. Ein früherer Freund des Mannes sagte der "Washington Post", er habe keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem IS-Mörder um Emwasi handele. "Er war wie ein Bruder für mich [...] Ich bin mir sicher, dass er es ist."

Emwasi ist einer der IS-"Beatles"

Der britisch-kuwaitische Dschihadist war schon 2009 mit Extremismus in Verbindung gebracht worden, immer wieder wurde Emwasi auch kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Die BBC beruft sich auf einen früheren Freund, wonach der heutige Dschihadist aus einer gut situierten Familie stamme und Informatik studiert habe. Laut "Washington Post" ist "Jihadi John" 2012 nach Syrien gereist und hat sich später dem IS angeschlossen.

Nicht nur bei der Enthauptung von James Foley, auch bei den weiteren gefilmten Morden an Steven Sotloff, Alan Henning und Peter Kassig war "Jihadi John" zu sehen. Freigekommene Geiseln berichteten, in einem Gefängnis des IS habe es eine Gruppe von britischen Dschihadisten gegeben, die dort das Sagen hatten. Die Gruppe trug den Spitznamen "The Beatles" und Mohammed Emwasi war demnach der "John".

Radikalisierung über Jahre

Ungefähr drei Jahre zuvor könnte Mohammed Emwasi ein Schlüsselerlebnis gehabt haben, das zu seiner extremen Radikalisierung führte. Es heißt, er sei bei einer Reise mit Freunden nach Tansania von der dortigen Polizei direkt nach der Einreise in der Hauptstadt Daressalam verhaftet worden. Die jungen Absolventen hatten demnach eine Safari gebucht.

Sie wurden ausgewiesen und nach Amsterdam ausgeflogen. Dort wurde sie von einem Agenten des britischen MI5 abgefangen. Emwasi warf dieser vor, er habe von Tansania nach Somalia zur Schabaab-Miliz reisen wollen. Den drei jungen Muslimen wurde noch mitgegeben, sie stünden ab jetzt auf einer Terrorliste. Damals berichtete unter anderem der britische "Independent" von dem Fall. Angeblich soll Emwasi zu dieser Zeit von den radikalislamischen Schabaab "besessen" gewesen sein. Es folgte ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Sicherheitsbehörden über zwei Jahre, während derer Emwasi zum Teil in seinem Geburtsland Kuwait lebte und arbeitete.

Scotland Yard erklärte, die Polizei werde die Identität des Mannes nicht bestätigen. "Jihadi John" war in den IS-Videos durch seinen britischen Akzent aufgefallen. In den Wochen nach der Ermordung Foleys hatte es immer wieder Spekulationen über die Identität des Henkers gegeben. Unter anderem hatten Sprachanalysten versucht, einzugrenzen, aus welchem Bezirk Londons und aus welchem ursprünglichen Sprachraum er kommen könnte.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa

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