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Tödliche Explosion auf der Krim Insider: Ukraine steckt hinter Angriff auf Militärflugplatz

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Auf dem Militärflughafen Saki sind Flugzeuge der russischen Schwarzmeerflotte stationiert. Am Nachmittag ereignen sich auf dem Stützpunkt mehrere Explosionen. Moskau dementiert feindlich Beschuss. Ein ukrainischer Insider behauptet das Gegenteil.

Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim haben sich am Nachmittag mehrere Explosionen ereignet. Einem Medienbericht zufolge könnte dafür ukrainischer Beschuss verantwortlich sein. Die "New York Times" zitiert einen hochrangigen ukrainischen Beamten, der angibt, dass der russische Militärflugplatz Saki durch eine in der Ukraine entwickelte Waffe angegriffen wurde. "Von diesem Stützpunkt sind regelmäßig Flugzeuge für Angriffe auf unsere Truppen in der Südukraine gestartet", erläutert er den Anlass für die Attacke. Weitere Details verrät der Insider der Zeitung nicht.

Die russische Regierung hat bisher mehrere Explosionen auf dem Luftwaffenstützpunkt bestätigt, bestreitet allerdings, dass die Ukraine dafür verantwortlich ist. Ihren Angaben zufolge ist ein Munitionsdepot explodiert. Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS berichtet unter Berufung auf einen Beamten im Moskauer Verteidigungsministerium, dass Brandschutzregeln in dem Lager missachtet wurden. "Es gibt keine Anzeichen, Beweise oder gar Fakten, dass die Munition vorsätzlich zur Explosion gebracht wurde." Flugzeuge wurden den Angaben zufolge nicht beschädigt.

In sozialen Netzwerken kursieren Videos, die Explosionen und große Rauchwolken in der Nähe von Badestränden zeigten. Sie sollen bei dem Dorf Nowofjodorowka unweit des Seebades Jewpatorija aufgenommen worden sein. Ein Mensch sei getötet worden, teilte Krim-Chef Sergej Aksjonow nach Angaben russischer Agenturen mit. Sieben weitere Menschen, darunter zwei Kinder, wurden nach örtlichen Angaben verletzt. Touristen verließen das Gebiet fluchtartig. Aksjonow sagte, dass ein Bereich im Radius von fünf Kilometern rund um den Stützpunkt abgesperrt worden sei. Der Brand sei gegen Abend unter Kontrolle gebracht worden.

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Die Explosionen ereigneten sich unweit eines Urlaubsgebietes. Russischen Angaben zufolge ist Munition detoniert.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Der Militärflughafen Saki befindet sich nördlich von Sewastopol und liegt rund 200 Kilometer von der Front entfernt im Westen der annektierten Halbinsel. Der Stützpunkt ist Heimat des 43. Marineangriffsfliegerregiments der russischen Schwarzmeerflotte. Es sei verschiedene Munition explodiert, zitieren russische Nachrichtenagenturen die russische Armee. Das Munitionslager sei weder beschossen noch bombardiert worden. Zuerst hatte Oleg Krjutschkow, ein Berater des von Moskau eingesetzten Gouverneurs der Krim, auf Telegram "mehrere Explosionen" in dem Gebiet gemeldet.

Angriff mit mobilem ballistischem Kurzstreckenraketensystem?

In den vergangenen Wochen hatte das ukrainische Militär mithilfe von Mehrfachraketenwerfern aus den USA mehrere russische Munitionslager in der südlichen Region Cherson nahe der Krim zerstört. Einige Beobachter gehen bei den jüngsten Explosionen dennoch von einem Sabotageakt aus, da sich die ukrainischen Truppen mehr als 200 Kilometer von dem russischen Stützpunkt entfernt befinden. Bisherigen Berichten zufolge verfügt die ukrainische Armee derzeit nicht über Raketen mit dieser Reichweite.

Einzelne Gebiete der Krim sollen sich allerdings in Reichweite für ukrainische Drohnen und Kanonen befinden. Laut dem Analysten Bogdan Voron könnte der Angriff beispielsweise mit einer Waffe namens Grim-2 durchgeführt worden sein. Dabei handelt es sich um ein mobiles ballistisches Kurzstreckenraketensystem, das sich Berichten zufolge in der Entwicklungsphase befindet. Aber auch eine Schiffsabwehrrakete vom Typ Neptun kommt laut Voron in Betracht. Die Reichweite der Rakete beträgt 280 Kilometer.

Kiew schweigt - und droht

Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte mit, es könne nichts zur Ursache der Explosionen sagen. Es bestehe aber die Gefahr, dass Russland Beweise für einen angeblichen ukrainischen Angriff fälsche. Der 9. August sei der Internationale Tag der indigenen Völker, schrieb die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk auf Telegram. Dazu zählten in der Ukraine die Krimtataren, die Karaimen und die Krimtschaken. "Die heutigen Explosionen in Nowofjodorowka sind ein weiterer Beleg dafür, wem die Krim gehört."

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Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak kündigte dagegen weitere Angriffe auf russische Militärbasen an. "Entmilitarisierung der Russischen Föderation", schrieb er auf Twitter. Die Krim habe eine Zukunft als Reiseparadies ohne Militärstützpunkte russischer Besatzer vor sich. "Das ist erst der Anfang."

Russland hatte die Krim im Jahr 2014 annektiert. International wird die Halbinsel mit ihren über zwei Millionen Einwohnern weiterhin als ukrainisches Territorium angesehen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP

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