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Anreicherung von Uran Iran erhöht Zahl der Zentrifugen

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Noch in dieser Woche könnte in der Urananreicherungsanlage Natans (Archivbild) ein Zentrum zur Produktion neuer Zentrifugen eröffnet werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Seit dem Ausstieg der USA steht das Atomabkommen mit dem Iran auf der Kippe. Nun kündigt das Land an, die Zahl seiner Zentrifugen zu erhöhen. Diese sind für die Urananreicherung nötig, die zum Bau von Atomwaffen befähigt.

Der Iran unternimmt einen ersten Schritt zur erneuten Ausweitung seiner Urananreicherung: Die Führung in Teheran informierte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) über das Vorhaben, die Zahl seiner Uran-Zentrifugen zu erhöhen. Zugleich erklärte sie, die neuen Uran-Zentrifugen bedeuteten keinen Verstoß gegen das von den USA aufgekündigte internationale Atomabkommen von 2015.

Vize-Präsident Ali Akbar Salehi sagte weiter, der Schritt bedeute überdies nicht das Scheitern der Gespräche mit den Europäern über die Rettung des Abkommens. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei hatte bereits am Montag gesagt, die Europäer dürften nicht erwarten, dass der Iran die neuen US-Sanktionen erdulden werde und zugleich weiterhin die Einschränkung seines Atomprogramms akzeptiere. Dies sei ein "Traum", der niemals wahr werde. Gleichzeitig kündigte Chamenei an, dass man bei einem Scheitern des Atomabkommens seine Kapazitäten zur Anreicherung von Uran erhöhen wolle. Er habe für diesen Fall einen Ausbau der Anreicherungskapazitäten angeordnet. "Unsere Feinde können unseren nuklearen Fortschritt niemals aufhalten" sagte Chamenei.

Salehi sagte nun, der Iran habe die IAEA am Montag per Brief über die Entscheidung zur Herstellung neuer Zentrifugen informiert. Womöglich könne schon Mittwochabend in der Urananreicherungsanlage Natans ein Zentrum zur Produktion von neuen Zentrifugen eröffnet werden. Die Herstellung neuer Zentrifugen bedeute aber nicht, dass diese sofort installiert würden, sagte Salehi, der auch Leiter der iranischen Atomenergiebehörde ist.

Der Iran hatte in der Folge des internationalen Atomabkommens von Juli 2015 die Zahl seiner Zentrifugen in Natans und der Urananreicherungsanlage Fordo deutlich reduziert. Zudem sagte Teheran zu, seine Vorräte hochangereicherten Urans zu beseitigen und Uran nicht länger auf 20 Prozent anzureichern. Das Abkommen erlaubt dem Iran aber, neue Zentrifugen herzustellen, solange er sie nicht vor 2025 in Betrieb nimmt. Im Gegenzug für die Zugeständnisse des Iran wurden die internationalen Sanktionen aufgehoben.

Die Urananreicherung dient der Herstellung von Brennstoff für Atomkraftwerke, höher angereichertes Uran kann auch zu medizinischen Zwecken verwendet werden. Die Anreicherung auf 20 Prozent ist aber zugleich ein wichtiger Schritt zur Produktion von atomwaffenfähigem Uran. Der Iran hat stets bestritten, nach Atomwaffen zu streben, und betont, dass seine Atomanlagen ausschließlich zivilen Zwecken dienten.

Berlin will Firmen vor Sanktionen schützen

US-Präsident Donald Trump entschied Anfang Mai jedoch, sich aus dem Atomabkommen zurückzuziehen und die ausgesetzten Finanz- und Handelssanktionen wieder einzusetzen. Der Iran warnte daraufhin, dass er die Urananreicherung wieder hochfahren werde, wenn die anderen Vertragspartner - Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China und Russland - ihm nicht konkrete Garantien geben würden, um die iranische Wirtschaft vor den neuen US-Sanktionen zu schützen. Die EU drängt den Iran aber auch zu Gesprächen über das umstrittene Raketenprogramm und die Rolle des Landes in der Region.

Salehi betonte nun, die Produktion neuer Zentrifugen bedeute nicht, dass die Verhandlungen mit den Europäern gescheitert seien. Deutschland, Frankreich und Großbritannien, aber auch Russland und China wollen an dem Atomabkommen festhalten, doch ist es fraglich, ob sie verhindern können, dass die iranische Wirtschaft durch die neuen US-Sanktionen erneut isoliert wird.

Denn die US-Sanktionen könnten auch europäische Firmen treffen. Die Bundesregierung setzt daher darauf, dass es dabei Ausnahmen geben kann. Zum einen prüfe die EU-Kommission, wie man europäische Firmen schützen könne, die nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran weiter Geschäfte betreiben wollten, hieß es in Kreisen der Bundesregierung. "Es gibt natürlich auch das Thema der Ausnahmen von amerikanischer Seite, das beispielsweise bei den G7-Finanzministergesprächen eine Rolle gespielt hat." Die EU habe deutlich gemacht, dass sie zwar weiter an dem Atomabkommen festhalten werde und Firmen schützen wolle. Aber es sei klar, "dass die US-Sanktionen natürlich auch Wirkung entfalten werden beziehungsweise sich ihre Wirkungen nicht völlig neutralisieren lassen".

Das Atomabkommen dürfte auf dem am Freitag in Kanada beginnenden G7-Treffen Thema werden, nachdem sich alle Partner gegen die von Trump ausgesprochene einseitige Kündigung gestellt haben.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/rts

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