Politik

Der Islamist Nummer eins Isis-Chef plant Gottesstaat

Er gilt als skrupellos, öffentlichkeitsscheu und rachsüchtig: Abu Bakr al-Baghdadi ist Chef der Isis-Dschihadisten, die derzeit den Irak überrennen. Dem Terroristen könnte gelingen, wovon Osama bin Laden geträumt hat - die Errichtung eines islamischen Gottesstaats.

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Das Gesicht des Terrors: Abu Bakr al-Baghdadi.

(Foto: dpa)

Der Irak versinkt in einer Welle der Gewalt, für die vor allem ein Mann verantwortlich zeichnet: Abu Bakr al-Baghdadi. Er ist Anführer der radikalen Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis), einer Abspaltung der Al-Kaida. Baghdadi könnte gelingen, wovon Osama bin Laden geträumt hat: die Errichtung eines islamischen Gottesstaats. Diesem Ziel ist er derzeit näher als je zuvor. Seine Organisation kontrolliert große Teile des westlichen und nördlichen Iraks und des östlichen Syriens.

Spätestens seit der Eroberung der irakischen Millionenstadt Mossul gilt Baghdadi bei vielen Islamisten als die wahre Nummer eins, noch vor Al-Kaida-Chef Ajman al-Sawahri. Die USA bieten zehn Millionen Dollar Belohnung für Hinweise, die zu seiner Gefangennahme führen. Doch bislang ist nur wenig über ihn bekannt. Das liegt auch daran, dass er so gut wie nie öffentlich in Erscheinung tritt. Er gilt als skrupellos, wenn es darum geht, Gegner auszuschalten. Auch bei ehemals Verbündeten kennt er keine Gnade. Gefangene werden erschossen oder enthauptet, ihre Tötung gefilmt und die Videos zur Abschreckung ins Internet gestellt.

"Kurz gesagt ist es für Scheich Baghdadi so: Jede Religion verfügt über einen Staat, nur der Islam nicht. Der aber sollte einen Staat haben und das sollte auch durchgesetzt werden. Ganz einfach", fasst es einer der Mitstreiter Baghdadis zusammen. Der Islamisten-Anführer strebe nach einem Gottesstaat und verfolge damit dieselben Ziele wie einst Bin Laden, sagt ein anderer Anhänger.

Der Steckbrief der Amerikaner zeigt einen braunäugigen Mann mit rundem Gesicht, kurz geschnittenem Bart und kurzen dunklen Haaren. Er soll 1971 in der irakischen Stadt Samarra zur Welt gekommen sein. An der Universität von Bagdad habe er einen Doktortitel in Islamstudien erworben, ist auf Internet-Seiten radikaler Moslems zu lesen. 2010 wurde er Chef des Al-Kaida-Ablegers Isis.

Als ein Jahr später in Syrien der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad ausbrach, witterte er seine Chance. Er schickte seinen Berater Abu Mohammed al-Golani in das Nachbarland. Der baute die zur Al-Kaida gehörende Nusra-Front auf, die sich mit einer Serie tödlicher Autobombenanschläge einen Namen machte. Doch als es Golani ablehnte, seine Kämpfer unter Baghdadis Kommando zu stellen, startete dieser einen Krieg gegen die Nusra-Front. Das führte zum Bruch mit Al-Kaida-Chef Sawahri.

Rivale von Sawahri

Für viele Beobachter kam das nicht überraschend. Als Bin Laden vor drei Jahren von einem US-Spezialkommando in Pakistan getötet wurde, habe Baghdadi als Einziger Sawahri nicht die Treue geschworen, sagt ein Anhänger des Isil-Chefs. "Scheich Osama trug ihm auf, den Staat zu errichten."

Baghdadi weigerte sich, Syrien der Nusra-Front zu überlassen und stieß 2012 und 2013 weiter in den Osten und Norden des Bürgerkriegslands vor. Seine Kämpfer lieferten sich Schlachten mit Assad-Truppen, aber noch häufiger bekämpften sie rivalisierende Rebellen. Doch schließlich verdrängte eine Allianz aus Nusra und anderen islamistischen Brigaden Isis in die ölreichen Wüstengebiete im Osten Syriens. Trotzdem erstarkte die Gruppe weiter. Mit Rakka kontrolliert sie die einzige Provinzhauptstadt, in der Assads Truppen vollständig abgemeldet sind. Dank der eroberten Ölfelder und der Militärausrüstung, die Isis bei der Eroberung Mossuls in die Hände fiel, verfügt Baghdadi über beachtliche Ressourcen. Anhänger sprechen vom Schlüssel zu militärischer, finanzieller und energietechnischer Unabhängigkeit.

Entscheidend dafür sind die bereitwilligen Rekruten, die Isis im Irak findet. Doch Baghdadi hat seine Tore auch für Mitstreiter aus Europa und den USA geöffnet. Eines Tages könnten diese in ihre Heimatländer zurückkehren und auch dort Anschläge verüben, warnt ein Anhänger des Isis-Chefs. "Wenn man Baghdadis Armee hat, seine Überzeugung und seinen Glauben, dann sollte die Welt Dich fürchten." Wer das nicht tue, sei ein Narr.

Quelle: n-tv.de, Mariam Karouny, Reuters

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