Politik

Polonium-Attacke auf Arafat? Israel weist Giftmord-Vorwurf zurück

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Jassir Arafat - sein Tod ist auch nach neun Jahren noch ungeklärt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Untersuchungen zum Tode des Palästinenserführers Arafat befeuern die Gerüchte. Steckt hinter seinem Tod ein staatlich geplanter Giftmord oder ein Kampf innerhalb der Palästinenser-Strukturen? Israel reagiert mit Schärfe auf die Spekulationen.

Israel weist entschieden die Verantwortung für den Tod des Palästinenserführers Jassir Arafat zurück. Vor neun Jahren soll dieser laut einer Untersuchung Schweizer Ärzte einem Giftmord zum Opfer gefallen sein. Der israelische Außenamtssprecher Jigal Palmor bezeichnete eine solche Behauptung als unseriös: "Diese Theorie hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse." Es gebe keinerlei israelische Verbindung mit Arafats Tod im Jahre 2004.

Der arabische TV-Sender Al-Dschasira und die britische Zeitung "Guardian" hatten am Mittwoch über den 108 Seiten umfassenden Bericht der Schweizer Experten berichtet. In Gewebeproben Arafats sei eine 18 Mal so hohe Konzentration von Polonium-210 gefunden worden wie normal, heißt es darin. Dies lasse "einigermaßen" sicher den Schluss zu, dass Arafat an einer Poloniumvergiftung gestorben sei. Schon ein Millionstel Gramm des radioaktiven Schwermetalls kann einen Menschen töten. Palmor bemängelte, die Schlussfolgerungen des Berichts seien "überhaupt nicht eindeutig".

"Diese Substanz wird von Staaten besessen"

Für viele Palästinenser steht außer Zweifel, dass nur Israel hinter der plötzlichen Erkrankung und dem schnellen Tod ihres Idols stecken könnte. Er war im Alter von 75 Jahren in einem französischen Militärkrankenhaus gestorben. Wasel Abu Jussef aus der Führung von Arafats PLO verlangte, dass sich eine internationale Kommission mit dem Fall befasse. Er war indirekt Israel eine Mitschuld vor: "Die Untersuchungsergebnisse haben bewiesen, dass Arafat mit Polonium vergiftet wurde - und diese Substanz wird von Staaten besessen, nicht von Einzelpersonen."

Auch Vertraute des früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon wiesen aber eine Verantwortung Israels zurück. "Nach meinem besten Wissen gab es während meiner Zeit im Büro des Regierungschefs keinerlei Absicht, Arafat zu vergiften oder ihm Schaden zuzufügen", sagte Scharons ehemaliger Kanzleichef Dov Weissglass in der Nacht zum Donnerstag der Nachrichtenseite "ynet". Scharons früherer Berater Raanan Gissin sagte: "Es ist immer am leichtesten, Israel zu beschuldigen." Er sprach von einem möglichen innerpalästinensischen Machtkampf als Hintergrund für Arafats Tod.

Experten widersprechen sich

Russische Experten hatten erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Poloniumvergiftung finden können. Ein französisches Gutachten steht noch aus. Alle drei Expertenteams hatten die Gewebeproben - unter anderem aus einer Rippe und dem Beckenbereich Arafats - bei der Exhumierung der Leiche vor knapp einem Jahr entnommen.

Arafats Witwe Suha sprach laut Al-Dschasira von einem "Verbrechen des Jahrhunderts". Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah wollte zu den Berichten zunächst keine Stellung nehmen. Sie hatte am Vortag bekräftigt, dass sie die Ergebnisse der Untersuchungen erst öffentlich machen werde, wenn alle drei Gutachten vorlägen.

Quelle: ntv.de, jtw/dpa/AFP