Politik

Spitze gegen Tsipras "Jeder Tag zählt jetzt"

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Kanzlerin Merkel und IWF-Chefin Lagarde

(Foto: imago/Gutschalk)

Merkels Gäste wollen es wissen: Kann sie Griechenland im Euroraum halten? Die Kanzlerin lässt das offen - und macht eine klare Ansage gen Athen.

Kein einziges Mal taucht das Wort "Griechenland" im Abschlussdokument des G7-Gipfels auf. Nach den Worten der Bundeskanzlerin nahm das Thema in den Gesprächen "keinen besonders großen Raum" ein. Unter den Euro-Staaten gibt es sowieso kaum ein anderes Thema derzeit, sie hatten keinen Bedarf, auch noch auf Schloss Elmau darüber zu sprechen. Doch die Staaten, die nicht im Euro-Raum sind, erkundigten sich nach dem Stand der Dinge, so Merkel. Auch Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), von dem sich Griechenland viel Geld geliehen hat, saß ja bei einer der sechs Arbeitssitzungen mit am Tisch.

Was Merkel den interessierten Gästen sagte, war dies: Sie möchte, wie alle anderen in der Runde, dass Griechenland Teil des Euroraumes bleibt. Allerdings fordert sie dafür ein, dass die Maßnahmen umgesetzt werden, die als Bedingung für die Kredite verabredet wurden. Diese Haltung der Kanzlerin ist bekannt. Aber sie wird besonders deutlich. "Ich kann nur sagen: Jeder Tag zählt."

Das ist eine Spitze gegen den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Merkel scheint den Eindruck zu haben, dass dieser den Ernst der Lage nicht verstanden hat. Tsipras hatte für Freitag ein neues Sparkonzept versprochen, dann aber nicht vorgelegt. Anstatt zu liefern, schimpfte er vor dem griechischen Parlament auf die Sparvorschläge aus Brüssel. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich schon am Sonntag, zu Beginn des G7-Gipfels, deutlich darüber beschwert.

Merkel schloss auch nicht aus, dass Griechenland an einen Punkt kommt, an dem es die Eurozone verlassen muss. Es sei der Wunsch der G7-Runde, dass dies nicht notwendig wird. Sie verglich auf Schloss Elmau die Situation Griechenlands nicht nur mit der von anderen Problemländern wie Irland, das sich aus der Krise herausgearbeitet hat. Dieses mal zog sie auch einen Vergleich mit der Ukraine: Auch die befinde sich im Prozess "dramatischer Strukturreformen"

Am Mittwoch soll es nun weitergehen mit den Verhandlungen. Dann trifft sich die EU zum Gipfel mit lateinamerikanischen Staaten. In den Nebenräumen werden Merkel und Juncker wieder mit Tsipras sprechen. Beide haben wohl die Hoffnung, dass zumindest bis dahin ein neues Papier aus Athen vorliegt.

Quelle: ntv.de