Politik

Anschlag in Wuppertal Jugendliche werfen Brandsätze auf Synagoge

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Die Polizei sucht die Fassade der Synagog nach Beschädigungen ab.

(Foto: AP)

Drei Männer schleudern in der Nacht brennende Gegenstände auf den Eingang der Synagoge von Wuppertal. Größeren Schaden gibt es nicht. Ein 18-Jähriger wird festgenommen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigt sich schockiert.

Drei Männer haben Brandsätze auf eine Synagoge in Wuppertal geschleudert. Bei dem Anschlag wurde nach Ermittlerangaben niemand verletzt, an dem Gotteshaus entstand auch kein Schaden. Einen verdächtigen 18-Jährigen nahm die Polizei in Gewahrsam, die beiden anderen mutmaßlichen Täter konnten fliehen. Die Hintergründe des Brandanschlags waren zunächst unklar. Der jüdische Zentralrat zeigte sich fassungslos über die Tat.

Die Polizei war von einer Anwohnerin der Bergischen Synagoge in Wuppertal-Barmen gegen 02.15 Uhr am Dienstagmorgen alarmiert worden. Die Täter hatten nach ersten Erkenntnissen mehrere Brandsätze in Richtung des Synagogen-Eingangs geworfen. Dort fanden die Einsatzkräfte mehrere zum Teil zerbrochene Flaschen.

Im Zuge der sofort eingeleiteten Fahndung wurde der 18-Jährige unweit des Tatorts festgenommen. Bei seiner Vernehmung gab der junge Mann laut Staatsanwaltschaft an, er habe mit dem Zwischenfall nichts zu tun. Die Staatsangehörigkeit des Verdächtigen war zunächst unklar. "Er selbst gibt an, er sei Palästinenser", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der 18-Jährige verfügt demnach über eine aufenthaltsrechtliche Duldung, in der seine Staatszugehörigkeit als unbekannt bezeichnet wird.

Laut Zeugen drei Täter

Dass insgesamt drei Männer an dem Anschlag beteiligt waren, ergibt sich dem Sprecher zufolge aus Zeugenaussagen. Nach seinen Angaben existiert eine Videoaufzeichnung, die Aufschluss über den Tatablauf geben könnte.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, verurteilte den Brandanschlag scharf. "Die Nachricht über den Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge macht uns alle fassungslos", sagte Graumann der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "Schon im Vorfeld gab es diverse Drohungen gegen jüdische Einrichtungen, die einer ganz besonderen Aufmerksamkeit der Behörden bedürfen."

Vertreter jüdischer Organisationen und Politiker hatten in den vergangenen Tagen wiederholt antisemistische Ausfälle bei propalästinensischen Kundgebungen in Deutschland kritisiert. Anlass für die Demonstrationen war das militärische Vorgehen Israels im Gaza-Streifen.

Auch die Alte Synagoge in Essen - heute ein städtisches Kulturinstitut - war nach Polizeiangaben schon Ziel geplanter Aktionen. Vor einer Demonstration gegen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen vor rund zwei Wochen waren in Essen 14 Menschen vorläufig festgenommen worden. Die Polizei hatte sie in Verdacht, die Kundgebung zu einer Aktion gegen die Alte Synagoge nutzen zu wollen. Wenige Tage später nahm die Polizei vier Männer ins Visier, die über Facebook mit einer Aktion gegen das Gebäude gedroht hatten. Die Ernsthaftigkeit dieser Drohung ist noch unklar.

Quelle: n-tv.de, mli/nsc/AFP