Politik

Historischer Moment in Havanna Kerry eröffnet US-Botschaft auf Kuba

Staatsbesuch mit starker Symbolik: In der kubanischen Hauptstadt lässt US-Außenminister Kerry drei betagte Ex-Marineinfanteristen die US-Flagge aufziehen. Zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren weht das Sternenbanner über Kuba.

Vor mehr als fünf Jahrzehnten brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab: Drei US-Soldaten erhalten den Befehl, die US-Flagge vor der Botschaft in Havanna einzuholen. 54 Jahre später lässt Washington genau diese drei Veteranen nach Kuba einfliegen, um das Sternenbanner im Beisein von US-Außenminister John Kerry an historischer Stätte wieder aufzuziehen.

Die drei Ex-Marineinfanteristen begleiteten Kerry zur feierlichen Wiedereröffnung der US-Botschaft in die kubanische Hauptstadt. "Ich werde es lieben, diese Flagge wieder aufsteigen zu sehen", sagte Jim Tracy vor der Zeremonie. Erstmals seit 54 Jahren wird dann wieder die US-Flagge vor dem Bürogebäude der US-Botschaft an der Uferpromenade Malecón wehen.

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Ankunft am Jose Marti International Airport am Stadtrand von Havanna: US-Außenminister John Kerry.

(Foto: REUTERS)

Um 16.40 Uhr MESZ war es dann so weit: Die drei Veteranen ließen die US-Flagge am Fahnenmast vor dem Botschaftsgebäude hochsteigen. Tracy hatte am 4. Januar 1961 gemeinsam mit seinen Kameraden Mike East und Larry Morris die US-Nationalflagge eingeholt und zusammengefaltet. "Das war ein bewegender Moment", erinnerte sich East. Morris ergänzte: Die Flagge "kommt dahin zurück, wo sie sein sollte".

Treffen mit Dissidenten

Die feierliche Wiedereröffnung der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna ist der Höhepunkt von Kerrys eintägiger Visite. Kerry bezeichnete die Wiedereröffnung der US-Botschaft in seiner teils auf Spanisch gehaltenen Rede als "historischen Moment".

Washington werde nicht aufhören, sich für demokratische Reformen in Kuba einzusetzen, betonte der US-Außenminister. "Wir sind überzeugt, dass den Kubanern am besten mit einer echten Demokratie gedient wäre, in der die Menschen ihre Anführer frei wählen können." Zudem mahnte er "wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit" in Kuba an.

An dem Festakt in Havanna nahmen Regierungsvertreter beider Länder sowie US-Abgeordnete teil. Nach der Zeremonie standen für Kerry ein Spaziergang durch die Altstadt von Havanna und ein Treffen mit kubanischen Dissidenten auf dem Programm.

Es werde in der Phase der Annäherung auch "Reibungen" geben, "aber dies ist ein Anfang", sagte Kerry kurz vor seiner Landung in Havanna zu den ihn begleitenden Journalisten. Es ist das erste Mal seit 1945, dass ein US-Außenminister die kommunistisch regierte Karibikinsel besucht.

Noch besteht das Embargo

Der demokratische Senator Patrick Leahy, der ebenfalls mit Kerry anreiste, bekräftigte seine Ablehnung des US-Embargos gegen Kuba. In 50 Jahren habe dieses "nie funktioniert", sagte der Politiker aus dem Bundesstaat Vermont. Eine Aufhebung des 1962 verhängten Embargos würde "die größten Veränderungen in kürzester Zeit" ermöglichen, sagte Leahy. Die Kehrtwende in der US-amerikanischen Kuba-Politik geht auf eine Initiative von Präsident Barack Obama zurück. Im US-Kongress stoßen die Bemühungen für eine Normalisierung der Beziehungen auf erbitterten Widerstand aus den Reihen der Republikaner.

Kuba und die USA hatten nach jahrzehntelanger Eiszeit am 20. Juli ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Die Interessenvertretungen der beiden langjährigen Erzfeinde im jeweils anderen Land erhielten wieder offiziell den Status von Botschaften. Dieser Schritt war der bisherige Höhepunkt der Annäherung, die US-Präsident Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro im Dezember eingeleitet hatten. Seitdem traten eine Reihe von Reise- und Handelserleichterungen für Kuba in Kraft, zudem strichen die USA Kuba von ihrer Liste der Terrorstaaten.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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