Politik
Kubicki war 25 Jahre lang Mitglied des Landtags Schleswig-Holstein.
Kubicki war 25 Jahre lang Mitglied des Landtags Schleswig-Holstein.(Foto: dpa)
Donnerstag, 14. Dezember 2017

Tränen zum Abschied: Kieler Landtag applaudiert Urgestein Kubicki

Wolfgang Kubicki verabschiedet sich nach einem Vierteljahrhundert im schleswig-holsteinischen Landtag. Die Abgeordneten spenden ihm stehend Beifall. Der FDP-Politiker verdrückt ein paar Tränen. Künftig macht er in Berlin Politik.

Wolfgang Kubicki schießen am Rednerpult im schleswig-holsteinischen Landtag Tränen in die Augen. "Selbst mir passiert das", sagt der 65-Jährige, der für Wortwitz und Austeilen bekannt ist. Es ist Kubickis letzte Rede als Landtagsabgeordneter und FDP-Fraktionschef. Ein Vierteljahrhundert hat Kubicki dem Parlament in Kiel angehört und es mitgeprägt.

Dass die Tagesordnung im Parlament es vorsieht, dass Kubicki seine letzte Rede zu einem AfD-Antrag zur Rückführung von Flüchtlingen hält, bezeichnet er halb spöttisch als Schicksalsschlag. In wenigen Sätzen bezeichnet er den Antrag als seiner Meinung nach rassistisch, um dann auf Persönliches und Grundsätzliches zur Demokratie zu kommen.

Er entschuldigt sich - meist unabsichtlich, wie er unter Gelächter sagt - andere Parlamentarier verletzt zu haben. Und er entschuldigt sich zuerst direkt bei SPD-Fraktionschef Ralf Stegner, "der zu meinem Lieblings-Counterpart geworden ist". "Das Parlament wäre ohne Sie definitiv ärmer gewesen", sagt er über Stegner, den er ungezählte Male verbal im Parlament attackiert hatte.

Kubicki dankt auch Ministerpräsident Daniel Günther von der CDU, Umweltminister Robert Habeck, den er als Bundesvorsitzenden der Grünen in Berlin wiedersehen will, und Lars Harms vom Südschleswigschen Wählerverband, mit dem man auch Naturalien habe tauschen können. "Ich habe meine alkoholischen Wettschulden voll bezahlt", sagt Kubicki, der nie ein Hehl daraus gemacht hat, gern mal ein Gläschen Wein zu trinken.

Stehender Beifall von allen Parteien

Und dann hat der Liberale noch einen sehr ernsten Rat an die Abgeordneten: "Macht euch nicht zu klein!" Die Debatten um die Abgeordnetendiäten findet Kubicki unangemessen. "Wenn die Massenmedien fragen, was die Demokratie kostet, kann ich nur feststellen, dass Nicht-Demokratie am teuersten ist - sie kostet die Freiheit und unter Umständen das Leben." Nach Ende der Rede erheben sich die Abgeordneten, auch Stegner, von den Sitzen und spenden dem sichtlich gerührten Kubicki kräftigen Applaus. "Er ist ein leidenschaftlicher Parlamentarier", sagt der SPD-Fraktionschef. "In der Spielklasse gibt es nicht so viele." Kubicki resümiert beim Abschiedsempfang am Abend: "Das war eine geile Zeit."

Wegen des Wechsels von Kubicki nach Berlin hatte sich die FDP-Landtagsfraktion zuvor personell neu aufgestellt. Die Fraktion wählte Christopher Vogt, den 33 Jahre alten bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer, zu ihrem neuen Vorsitzenden. Kubicki selbst wurde zum Ehrenvorsitzenden der Fraktion auf Lebenszeit gewählt. Der 65-Jährige war 1992 bis 1993 und dann seit 1996 durchgängig Landtags-Fraktionschef. Sein Landtagsmandat wollte Kubicki nach der Plenumssitzung am Abend zurückgeben. Er werde weiterhin in Strande bei Kiel leben. In Berlin ist Kubicki Bundestagsabgeordneter und Bundestagsvizepräsident. Er habe nicht vor, seinen Bekanntheitsgrad zu reduzieren, im Gegenteil. Er wolle sich dort in die Bundespolitik für die FDP verstärkt einbringen, sagte er.

Quelle: n-tv.de