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Am Samstag kam es zu Ausschreitungen vor der russischen Botschaft in Kiew. Dabei wurde auch die russische Fahne vom Mast geholt.
Am Samstag kam es zu Ausschreitungen vor der russischen Botschaft in Kiew. Dabei wurde auch die russische Fahne vom Mast geholt.(Foto: dpa)
Sonntag, 15. Juni 2014

Vorwürfe gegen Moskau: Kiew droht mit Abbruch der Beziehungen

Nach dem Abschuss einer ukrainischen Militärmaschine verschlechtern sich die Beziehungen zwischen Kiew und Moskau. Nicht nur stehen Vorwürfe im Raum, Russland würde die Separatisten unterstützen. Kiew droht mit weiteren Konsequenzen.

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Die Ukraine hat im Kampf gegen moskautreue Separatisten einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Russland nicht ausgeschlossen. Falls Russland auch weiterhin zur Verschärfung der Lage im Osten der früheren Sowjetrepublik beitrage, müsse die Ukraine zu diesem "äußersten Mittel" greifen, sagte Außenminister Andrej Deschtschiza in Kiew.

Russland verhindere nicht, dass über die gemeinsame Grenze Verstärkung für die Aufständischen gelange. Der Sicherheitsrat in Kiew werde daher an diesem Montag über eine mögliche Schließung der Grenze beraten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte angekündigt, bei der Sitzung zudem einen Friedensplan vorstellen zu wollen. "Wir werden hart und gezielt durchgreifen", sagte der prowestliche Staatschef.

Die russisch-ukrainischen Beziehungen haben sich seit dem Machtwechsel in Kiew im Februar und der Abspaltung der Halbinsel Krim im März stark verschlechtert und sind seitdem ohnehin reduziert. Moskau hatte wiederholt bestritten, Einfluss auf die Separatisten zu haben.

Der Abschuss eines ukrainischen Militärflugzeugs durch Separatisten, bei dem Dutzende Menschen starben, führte am Samstag in Kiew zu Protesten vor der russischen Botschaft. Dabei wurden Diplomatenfahrzeuge und Fenster beschädigt sowie ein Brandsatz auf das Botschaftsgebäude geworfen. Poroschenko drohte den Aufständischen nach dem Anschlag mit Vergeltung.

Separatisten: Keine Panzer aus Russland

Die militanten Aufständischen wiesen unterdessen Vorwürfe des Westens zurück, dass sie aus Russland drei Panzer erhalten hätten. Seines Wissens seien die Fahrzeuge aus ukrainischen Depots erbeutet worden, sagte Separatistenführer Andrej Purgin. Die russische Armee habe das Kriegsgerät vom Typ T-64 "längst aussortiert".

Sowohl Washington als auch Kiew sehen es dagegen als erwiesen an, dass die Separatisten schwere Waffen und andere Ausrüstung aus Russland erhalten, darunter Panzer. Die Nato veröffentlichte Fotos mutmaßlicher russischer Panzer im Osten der Ukraine. Nach Angaben aus Kiew seien drei Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge auf ukrainisches Staatsgebiet vorgedrungen und in der Region Donezk gesichtet worden, teilte die Militärallianz in Brüssel mit. Moskau weist dies zurück und beschuldigte seinerseits die Ukraine, mit zwei Panzern die Grenze passiert zu haben.

Ukrainische Sicherheitskräfte setzten unterdessen ihre "Anti-Terror-Operation" fort. Bei tagelangen Luftangriffen auf Stellungen militanter Gruppen bei Kramatorsk seien mehr als 50 Separatisten getötet und etwa 150 verletzt worden, sagte Armeesprecher Wladislaw Selesnjow. Viele davon seien Kämpfer aus dem benachbarten russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus. Zuletzt hatte es allerdings häufig abweichende Angaben über Opferzahlen gegeben.

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Quelle: n-tv.de