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Kiew kündigt "Vergeltung" an Ukraine trauert um Absturzopfer

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Separatisten am Wrack der abgeschossenen ukrainischen Militärmaschine.

(Foto: AP)

Nach dem Abschuss einer ukrainischen Militärmaschine verstärken sich die Spannungen in der Region. Präsident Poroschenko droht den Aufständischen mit Vergeltung. In Kiew greifen Demonstranten die russische Botschaft an.

Nach dem Abschuss eines Militärflugzeugs gedenkt die Ukraine der 49 Opfer. Separatisten hatten die Transportmaschine beim Landemanöver auf den Flughafen der östlichen Stadt Lugansk angegriffen. Es ist der schwerste Schlag für die ukrainische Armee seit Beginn ihrer "Anti-Terror-Offensive" gegen Aufständische Mitte April.

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Die russische Botschaft in Kiew wurde von etlichen Demonstranten angegriffen.

(Foto: imago/UPI Photo)

Der Angriff sorgte weltweit für Bestürzung. Vor der russischen Botschaft in Kiew kam es am Samstagabend zu Ausschreitungen. Demonstranten warfen der Regierung in Moskau vor, die Verantwortung für die Gewalt in der Ostukraine zu tragen. Sie stürzten vor der russischen Botschaft Diplomatenfahrzeuge um, zerstörten mehrere Fensterscheiben mit Steinen und rissen die russische Fahne nieder. Rund ein Dutzend Polizisten beobachteten die Szene, griffen jedoch nicht ein. Am späten Abend wurde aus der Menge ein Brandsatz auf die Botschaft geworfen. Einsatzkräfte brachten das Feuer aber schnell unter Kontrolle.

Russland verurteilte "die provozierenden Aktionen" und die "Schändung" der russischen Flagge. Das Außenministerium in Moskau warf den ukrainischen Behörden "Untätigkeit" vor. Auch die US-Regierung ermahnte die Ukraine, die Sicherheit der diplomatischen Vertretung zu gewährleisten.

"Wir werden hart und gezielt durchgreifen"

Nach Armee-Angaben hatten die Aufständischen die Transportmaschine vom Typ Iljuschin IL-76 in der Nacht zum Samstag beim Landemanöver auf den Lugansker Flughafen mit Raketen angegriffen. Ex-Verteidigungsminister Anatoli Grizenko zufolge waren 40 Fallschirmjäger einer Luftlandebrigade aus Dnjepropetrowsk sowie neun Mann Besatzung an Bord. Das Flugzeug sei in etwa 700 Metern Höhe von Geschossen aus dem Raketenwerfer "Igla" (Nadel) getroffen worden.

An der Absturzstelle des Flugzeuges in der Nähe des Dorfes Nowohanniwka lagen Trümmer über Hunderte Meter in einem Weizenfeld verstreut. Eine Gruppe von Rebellen in Tarnanzügen durchsuchte das Wrack nach Munition aus der Ladung. "So machen wir das", sagte ein Aufständischer, der sich selbst Pjotr nannte. "Die Faschisten können so viel Verstärkung einfliegen wie sie wollen, aber wir werden jedes Mal wieder zuschlagen." Die Bewohner der Region erklärten, die ukrainische Luftwaffe habe kurz nach Sonnenaufgang Rebellen-Stellungen angegriffen.

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Die Nato hat Fotos veröffentlicht, die Bewegungen russischer Panzer zeigen sollen.

(Foto: AP)

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko drohte den Aufständischen mit Vergeltung. Der Abschuss sei ein "zynischer terroristischer Akt, der unbedingt bestraft werden wird". Für Montag berief Poroschenko den nationalen Sicherheitsrat ein. Er wolle bei der Sitzung einen Friedensplan vorstellen. "Wir werden hart und gezielt durchgreifen", sagte der prowestliche Staatschef.

Das ukrainische Militär befindet sich seit Wochen im Einsatz gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes. Diese wollen die Region von der Ukraine abspalten und streben einen Beitritt zu Russland an. Insgesamt wurden bei den Kämpfen mindestens 320 Kämpfer beider Seiten und Zivilisten getötet. Bei einem Angriff auf ukrainische Grenzschützer in Mariupol wurden am Samstag drei ukrainische Soldaten getötet.

Merkel telefoniert mit Putin

Kanzlerin Angela Merkel rief in einem Telefonat den russischen Präsidenten Wladimir Putin - auch als Reaktion auf den Abschuss - zu einer schärferen Kontrolle der Grenze auf. Russland müsse den Zustrom von Waffen und Kämpfern in die Ukraine wirksam eindämmen, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers. An dem Gespräch sei auch Frankreichs Präsident François Hollande beteiligt gewesen. US-Außenminister John Kerry äußerte sich in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow "stark besorgt" über Waffenlieferungen an Separatisten.

Sowohl Washington als auch Kiew sehen es als erwiesen an, dass die Separatisten schwere Waffen und andere Ausrüstung aus Russland erhalten, darunter Panzer. Moskau weist dies zurück. Die Nato veröffentlichte Fotos mutmaßlicher russischer Panzer im Osten der Ukraine. Nach Angaben aus Kiew seien drei Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge auf ukrainisches Staatsgebiet vorgedrungen und in der Region Donezk gesichtet worden, teilte die Militärallianz in Brüssel mit. Moskau beschuldigte seinerseits die Ukraine, mit zwei Panzern die Grenze passiert zu haben.

Russland und die Ukraine fanden derweil bei Krisengesprächen in Kiew erneut keine Lösung im milliardenschweren Gasstreit. Die Verhandlungen unter Teilnahme von EU-Energiekommissar Günther Oettinger seien ergebnislos vertagt worden, sagte der ukrainische Energieminister Juri Prodan. Der Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller, wollte den neuen Termin zunächst nicht bestätigen. Moskau fordert mit Nachdruck die Tilgung offener Rechnungen für geliefertes Gas bis Montagmorgen. Die Ukraine will zunächst einen Rabatt aushandeln.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP/rts