Politik

Gerüchte um Atomtest in Nordkorea Kim ruft Kaesong-Arbeiter zurück

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong spielt eine wichtige Rolle im Korea-Konflikt. Vergangene Woche drohte Nordkoreas Diktator Kim damit, die südkoreanischen Arbeiter auszuschließen, jetzt beruft er alle nordkoreanischen Arbeiter ab. Unterdessen rätselt Südkorea, ob der Norden wieder einen Atomtest vorbereitet.

Nordkorea hat den Abzug seiner 53.000 Arbeiter in der gemeinsam mit Südkorea betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong angekündigt. "Wir werden alle unsere Arbeiter aus dem Kaesong-Industriekomplex abziehen", erklärte der ranghohe Beamte der Regierungspartei, Kim Yang Gon, laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Der Industriekomplex werd e anschließend vorübergehend geschlossen.

Kim machte "militärische Kriegstreiber" für die Entscheidung verantwortlich. Es hänge allein von der südkoreanischen Regierung ab, wie sich die Lage weiter entwickeln werde. Im Zuge der aktuell angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte Nordkorea südkoreanischen Arbeitern vergangene Woche die Einreise in die gemeinsam von beiden Staaten betriebene Sonderwirtschaftszone untersagt, die Ausreise hingegen erlaubt. Hunderte Südkoreaner blieben zunächst freiwillig in Kaesong.

Mit dem Einreiseverbot stellte sich Pjöngjang gegen ein Projekt, das bislang die Krisen zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten überstand. Der Industriekomplex liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang.

Plant Nordkorea wieder Atomtest?

DI30085-20130212.jpg997960175572927164.jpg

Der Atomtest im Februar heizte die bis heute anhaltenden Spannungen in Korea entscheidend an.

(Foto: dapd)

Unterdessen rätseln Beobachter des Konflikts, ob Nordkorea einen weiteren Atomtest vorbereitet. Die Frage beantworten zwei südkoreanische Ministerien unterschiedlich. Nach Einschätzung des südkoreanischen Verteidigungsministerium steht Pjöngjang vermutlich nicht kurz vor einem vierten Atomtest. "Wir haben keine ungewöhnlichen Schritte registriert, die auf einen Atomtest hindeuten", sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Kurz zuvor hatte der südkoreanische Minister für Wiedervereinigung, Ryoo Kihi Jae, dagegen erklärt, es gebe Anzeichen für die Vorbereitung eines neuen Tests. Er reagierte damit auf einen Zeitungsbericht, in dem es hieß, nahe des Atomtestgeländes in Punggye Ri seien Bewegungen von Personal und Fahrzeugen festgestellt worden, wie sie auch im Vorfeld des dritten Atomtests im Februar festgestellt worden seien.

Unklar sei, ob die Aktivitäten tatsächlich Vorbereitungen zu einem neuen Nukleartest seien oder dazu dienten, die USA bewusst in die Irre zu leiten, um dadurch den Druck auf Washington und Seoul zu erhöhen. Militärs in Südkorea bestätigten laut der Zeitung zudem, dass Nordkorea wahrscheinlich den Start einer Mittelstreckenrakete von einer mobilen Raketenstartrampe an der Ostküste vorbereite.

Merkel und Putin sind besorgt

China warnte indes die nordkoreanische Führung in ungewöhnlich scharfer Form vor einer weiteren Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Keinem Land dürfe erlaubt werden, eine Region oder gar die ganze Welt aus selbstsüchtigen Motiven ins Chaos zu stürzen, sagte Chinas Präsident Xi Jinping bei einer Versammlung auf der südchinesischen Insel Hainan, ohne Nordkorea direkt beim Namen zu nennen. Diplomaten wie der frühere US-Botschafter in China, Jon Huntsman, nannten die Aussagen Xis beispiellos. China verliere offenbar die Geduld mit seinem Verbündeten, sagte der Diplomat.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Staatengemeinschaft aufgerufen, mit einer gemeinsamen Position mäßigend im Nordkorea-Konflikt aufzutreten. Der russische Präsident Wladimir Putin und sie seien sich "sehr einig" gewesen, dass die internationale Staatengemeinschaft beruhigend einwirken müsse, damit Nordkorea seine Provokationen einstelle, sagte Merkel auf der Hannover-Messe. Russland und China komme dabei eine besondere Rolle zu. Mehrfach betonte Merkel, wie wichtig es sei, dass die internationale Staaten geschlossen auftreten, um eine politische Lösung in dem Konflikt zu erreichen. Putin zeigte sich sehr besorgt über die Eskalation des Konflikts.

Die Führung in Nordkorea hatte in den vergangenen Wochen zahlreiche Schritte hin zu einer militärischen Eskalation unternommen. Das Land erklärte dem Süden den Kriegszustand und drohte auch den USA mit einem atomaren Schlag. Die USA haben mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen in die Region reagiert.

Am 12. Februar hatte die kommunistische Führung des Landes in Pjöngjang seinen dritten Atomtest unternommen. Die daraufhin verhängten verschärften Sanktionen hatten seitens Nordkoreas zu einer massiven Eskalation geführt.

Quelle: ntv.de, rts/dpa