Politik

Debatte im polnischen Fernsehen Komorowski siegt in TV-Duell

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Kaczynski und Komorowski wollen Präsident werden.

AP

Eine Woche vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Polen streiten die beiden Kandidaten Kaczynski und Komorowski in einem Fernsehduell über den Afghanistan-Einsatz und andere Themen. Die Zuschauer finden Komorowski überzeugender.

Das amtierende Staatsoberhaupt Bronislaw Komorowski hat im Kampf um Polens Präsidentenamt einen weiteren Schritt nach vorn gemacht und eine TV-Debatte deutlich für sich entschieden. Einer Online-Umfrage des Webportals TVN24 zufolge fanden 81 Prozent der Befragten, dass Komorowski in dem Duell besser abschnitt. 15 Prozent waren der Meinung, dass Rivale Jaroslaw Kaczynski in den Gesprächsrunden souveräner agierte. Lediglich vier Prozent der Umfrage-Teilnehmer sahen beide Kandidaten als gleich gut an.

Hauptthema Afghanistan

Eine Woche vor der Stichwahl stritten Kaczynski und Komorowski über den Afghanistan-Einsatz und andere Themen. Komorowski sprach sich bei der live übertragenen Debatte für einen Abzug aus Afghanistan bis 2012 aus. Kaczynski lehnte dies ab und übte zugleich scharfe Kritik an Russland.

Komorowski sagte bei dem Fernsehduell, der Afghanistan-Einsatz verschlinge 20 Prozent der Mittel, die für eine Modernisierung der polnischen Armee notwendig seien. Polen solle sich von der Politik von Jaroslaw Kaczynskis Zeit als Regierungschef 2006 bis 2007 abwenden. "Sie haben einige tausend polnische Soldaten dort hingeschickt, wo sie keine nationalen Interessen haben. Es ist Zeit, diese Politik zu beenden", sagte der Kandidat der regierenden liberalen Bürgerplattform. Er wolle als Präsident darauf hinwirken, dass die Regierung in Warschau eine Strategie für einen Abzug im Jahr 2012 entwickele. Derzeit sind 2500 polnische Soldaten in Afghanistan stationiert, ihre Zahl soll im Laufe des Jahres auf 2600 steigen.

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(Foto: AP)

Kaczynski wies Komorowskis Kritik am Afghanistan-Einsatz zurück. Das Ziel der polnischen Politik müsse es sein, "als große europäische Nation behandelt zu werden", sagte der nationalkonservative Politiker. Eine "minimalistische Politik" könne dies nicht leisten.

Arbeit am Image

Der als Übergangspräsident amtierende Komorowski trat bei dem Fernsehduell kämpferischer auf, um mit seinem Image als wenig charismatischer Politiker zu brechen. Kaczynski hingegen bemühte sich darum, kompromissbereit und versöhnlich zu wirken. Die erste Wahlrunde am 20. Juni hatte Komorowski mit 42 Prozent der Stimmen gewonnen, Kaczynski errang 36 Prozent. Vor der Stichwahl am kommenden Sonntag soll am Mittwoch ein zweites Fernsehduell zwischen den beiden Kandidaten stattfinden.

Ein weiterer Streitpunkt in dem Fernsehduell war die Untersuchung des Flugzeugabsturzes der polnischen Präsidentenmaschine am 10. April, bei dem Kaczynskis Zwillingsbruder Lech und alle 95 anderen Insassen in der Nähe des westrussischen Smolensk ums Leben gekommen waren. Die russische Untersuchung zu dem Unglück trete "auf der Stelle, und das ist eine dezente Art, es auszudrücken", kritisierte Kaczynski. Polnische Ermittler hätten von Russland entscheidende Unterlagen zu dem Flugzeugabsturz nicht erhalten.

Der Schatten des Unglücks

Kaczynski erneuerte seine Forderung, Polen die Federführung bei der Untersuchung zu überlassen. Aufzeichnungen des Fluges deuten auf einen Pilotenfehler als Ursache hin, einige von Kaczynskis Anhängern vertreten jedoch die These einer Verschwörung als Absturzursache. Komorowski warnte davor, "eine Atmosphäre des Misstrauens zu schaffen".

Uneinig waren sich Kaczynski und Komorowski auch in einer anderen Russland betreffenden Frage. Kaczynski sagte, mit Moskau müsse über die Menschenrechtsverletzungen in Weißrussland gesprochen werden. Komorowski bezeichnete dies als "unerhörte politische Idee". Ein Gespräch mit der russischen Führung über die weißrussische Menschenrechtspolitik wäre so, "wie wenn die Weißrussen polnische Angelegenheiten mit Russland oder Berlin besprechen", fügte er hinzu.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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