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Urteil vom Oberverwaltungsgericht Kükenschreddern bleibt erlaubt

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Küken dürfen per Gerichtsentscheid auch weiterhin massenhaft getötet werden.

(Foto: dpa)

Tierschützer protestieren seit Langem gegen die umstrittene Praxis: Doch das Oberverwaltungsgericht in Münster sieht im Töten von männlichen Küken keinen Gesetzesverstoß.

Die umstrittene Praxis, männliche Küken nach dem Schlüpfen zu töten, verstößt nicht gegen das Tierschutzgesetz. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden. Damit setzten sich zwei Brütereien auch in zweiter Instanz mit einer Klage gegen ein behördliches Verbot der Kükentötung in Nordrhein-Westfalen durch. (Az. 20 A 488/15 und 20 A 530/15)

Hintergrund der seit geraumer Zeit praktizierten Kükentötung ist, dass die Agrarindustrie für männliche Nachkommen der Legehuhnrassen keine Verwendung hat - sie legen weder Eier noch setzen sie gut Fleisch an. Bundesweit wurden im Jahr 2012 etwa 45 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast. Im Jahr 2013 hatte das nordrhein-westfälische Agrarministerium die Aufsichtsbehörden per Erlass zu einem Verbot der Kükentötung angewiesen. Gegen die daraufhin verhängten Verbotsverfügungen gingen die klagenden Brütereien gerichtlich vor.

Wie zuvor bereits beim Verwaltungsgericht Minden hatten die beiden Brütereien nun auch beim OVG Münster Erfolg. Das Tierschutzgesetz erlaube das Töten von Tieren, wenn dafür ein vernünftiger Grund vorliege, teilte der Senat mit. Die Aufzucht der ausgebrüteten männlichen Küken sei für die Brütereien aber mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand verbunden, so die Urteilsbegründung.

Revision ist nicht möglich

Revision ließ das OVG nicht zu (Az.: Aktenzeichen 20 A 488/15 und 20 A 530/15). Gegen diese Entscheidung ist Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht möglich. Auch eine strafrechtliche Verfolgung der Kükentötung war zuletzt gescheitert. Eine Anklage der Staatsanwaltschaft Münster gegen eine Kükenbrüterei lehnten das Landgericht Münster und das Oberlandesgericht Hamm ab.

Der grüne Landesumweltminister Johannes Remmel hatte das Töten aus rein wirtschaftlichen Gründen 2013 per Erlass unterbinden wollen. Dagegen zogen elf betroffene Brütereien vor die Verwaltungsgerichte. Die Bundesregierung lehnt ein Verbot ab und setzt auf technische Lösungen, die 2017 marktreif sein sollen. Dabei wird bereits vor dem Schlüpfen erkannt, welches Geschlecht der Embryo hat.

Quelle: n-tv.de, jug/kpi/AFP/dpa

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