Politik

Nix wie raus Lass es krachen, Alexis!

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Unerfüllbare Bedingungen? Gut so, Alexis Tsipras!

(Foto: REUTERS)

Monatelang haben sich die schlipstragenden Brüsseler Verwaltungsangestellten von den wunderbaren Selbstdarstellern Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis vorführen lassen. Jetzt ist das Europa der Technokraten, Weichspüler und ewigen Kompromisssucher am Ende.

Der schnieke Ministerpräsident und der noch besser aussehende Finanzminister eines kleinen Landes am südöstlichen Rande des Kontinents haben es geschafft, die europäische Kompromissmaschine gründlich aufzumischen. Plötzlich interessieren sich ganz normale Menschen für Europapolitik und entwickeln Leidenschaft für Verlautbarungen aus dem unendlich weit entfernten Brüssel.

Der Euro ist entzaubert: Der Geburtsfehler war die Aufnahme Griechenlands, der Konstruktionsfehler ist die nicht vorhandene gemeinsame Fiskalpolitik. Diese Mängel lassen sich auf Dauer auch nicht mit vielen warmen Worten, noch mehr Gipfeltreffen und Unsummen von frisch gedrucktem Geld zukleistern. Die EU hat es in Kauf genommen, dass Griechenland sich zu Tode spart. Der Politik war es herzlich egal, dass die griechische Bevölkerung seit Jahren im Elend und die Wirtschaft in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

Dann kam die Syriza-Regierung ins Amt - wohlgemerkt: durch demokratische Wahlen, auch wenn CDU-Politiker in der Hitze des Gefechts schon mal vom "Regime" in Griechenland sprechen. Tatsächlich wäre es der EU und auch der Bundesregierung etwas weniger demokratisch vermutlich lieber gewesen. Denn die konservativen und sozialistischen Marionetten der Vorgängerregierungen waren nicht nur devoter, sondern auch weniger charismatisch. Und auffallend unattraktiver.

Ob jetzt sofort oder erst in ein paar Monaten - Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis wollen und werden ihrem Land die Würde zurückgeben. Die Schulden müssen weg, der Euro auch. Seit Jahren ist klar: Griechenland war nie konkurrenzfähig, ist nicht konkurrenzfähig und wird es auch nicht werden - jedenfalls nicht in der Eurozone. Mit dem Euro hat Griechenland keine Chance, sich aus der Misere zu befreien.

Der Haken: Bislang ist nicht nur die Mehrheit der Griechen gegen einen Euro-Austritt ihres Landes, auch die führenden Politiker im übrigen Europa tun so, als wollten sie Griechenland um einen sehr hohen Preis im Euro halten. Bezahlen sollen allerdings die Griechen. Tsipras und Varoufakis haben deshalb recht, wenn sie die Verhandlungen mit unerfüllbaren Forderungen auf die Spitze treiben: Wie ein griechisches Drama braucht diese Krise eine Katastrophe, um zur Katharsis, zur Klärung, zu gelangen.

Quelle: ntv.de