Politik

Seehofer appelliert an Muslime "Lehren aus NS-Zeit müssen für alle gelten"

Angesichts des wachsenden Antisemitismus nimmt Innenminister Seehofer die deutschen Muslime in die Pflicht. Auch für sie gelte es, Lehren aus dem Nationalsozialismus zu ziehen. Ein Zusammenleben sei nur auf Grundlage gemeinsamer Werte möglich.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat zum Auftakt der Deutschen Islamkonferenz (DIK) gefordert, die Lehren aus dem Nationalsozialismus müssten für alle Bürger gelten - auch für in Deutschland lebende Muslime. "Viele Menschen fühlen sich durch den wachsenden Antisemitismus bedroht", erklärte Seehofer in seiner Eröfffnungsrede. Muslime hätten selbstverständlich die gleichen Rechte, aber auch "die gleichen Pflichten wie jeder hier in Deutschland". Für ein gutes Zusammenleben bedürfe es "einer echten Einigkeit über die Gültigkeit gemeinsamer Werte und Normen". Ziel der Kooperation zwischen Staat und religiösen Verbänden müsse es sein, einerseits den Austausch zwischen muslimischen und jüdischen Gemeinden zu fördern und andererseits Moscheen von ausländischen Geldgebern zu lösen.

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Vor Beginn der Islamkonferenz hatte der Grünen-Politiker Cem Özdemir seine Kritik an der Praxis islamischer Dachverbände erneuert, in deutschen Moscheegemeinden Imame aus dem Ausland zu beschäftigen. "Ditib und die anderen Verbände müssen sich von Organisationen ausländischer Mächte zu deutschen Vertretungen inländischer Muslime transformieren", hatte Özdemir in der Tageszeitung "Die Welt" gefordert. Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, mahnte eine Professionalisierung der Ausbildung von Imamen in Deutschland an - nach dem Vorbild des Priesterseminars. Dem Evangelischen Pressedienst sagte er, die Schulung deutscher Imame laufe derzeit eher "semi-professionell".

Für Schlagzeilen hatte in der Vergangenheit gesorgt, dass Imame des Ditib-Verbands in Deutschland Gläubige bespitzelt haben sollen. Außerdem sei in Moscheen für türkische Soldaten im Syrien-Einsatz gebetet worden. Die Imame der Ditib werden von der staatlichen türkischen Religionsbehörde entsandt. Seehofer forderte die Moscheegemeinden in seiner Rede dazu auf, sich unabhängiger vom Ausland zu machen und sich den nicht-muslimischen Nachbarschaften in Deutschland zu öffnen. Zu diesem Zweck stellte er auch zusätzliche Fördergelder in Aussicht. Gleichzeitig betonte er die Unabhängigkeit der deutschen Moscheegemeinden von staatlicher Einflussnahme. "Wir verstehen uns nicht als Vormund, sondern als Brückenbauer", so der Innenminister.

"Islam verändert sich rasant"

Seehofer will für die vierte Islamkonferenz neue Akzente setzen - sowohl was die Teilnehmer angeht, als auch bezüglich der Inhalte. Der Dialog solle sich nicht mehr allein auf Vertreter der Dachverbände beschränken, sondern auch Akteure der islamischen Zivilgesellschaft mit einbeziehen. "Wir wollen die Vielfalt und Pluralität des Islams in Deutschland abbilden", erklärte Seehofer - und dazu gehörten auch die "säkulären, laizistischen Muslime". Zwischen den mehrheitlich konservativen Dachverbänden und islamischen Theologen, Aktivisten und Wissenschaftlern gibt es immer wieder Streit über Glaubenspraxis und Integration. Eine Vielzahl deutscher Muslime sind keine Mitglieder einer Gemeinde und fühlen sich von den größten Islamverbänden auch nicht vertreten.

In der DIK sollen diese Menschen künftig stärker gehört werden. "Die Besetzung ist diesmal bunter, das finde ich gut", sagte die Gründerin der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, Seyran Ates, der Deutschen Presse-Agentur. Seehofer räumte zwar ein, dass sich insgesamt die Zusammensetzung der in Deutschland lebenden Muslime durch die stärkere Zuwanderung verändert habe. Er kritisierte aber auch, Integrationsprobleme würden "Zu schnell dem Islam insgesamt zugerechnet". Auch die Straftaten Einzelner würden undifferenziert thematisiert. Ein Dialog könne nur dann stattfinden, wenn "im Rahmen der Gesetze" diskutiert werde.

Quelle: n-tv.de, jug (mit dpa)

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