Politik

Kriminalität im Görlitzer Park Lokalpolitikerin kritisiert Nachtruhe-Idee

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Im Berliner Görlitzer Park kommt es immer wieder zu Gewalttaten.

(Foto: dpa)

Um Drogenhandel und Gewaltkriminalität zu reduzieren, möchte der Berliner Staatssekretär Akmann den Görlitzer Park nachts schließen. Der Vorschlag stößt auf scharfe Kritik: Die Bürgermeisterin des zuständigen Bezirks sowie der Sprecher des Parkrats sehen eine Nachtruhe nicht als Alternative.

Die Bezirksbürgermeisterin des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, hat dem Vorschlag einer nächtlichen Schließung des Görlitzer Parks eine Absage erteilt. Die Grünen-Politikerin erklärte, die Idee sei vorab nicht mit dem Bezirksamt besprochen oder abgestimmt worden, obwohl die Verantwortung für den Park beim Bezirk läge.

Innenstaatssekretär Torsten Akmann hatte am gestrigen Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses vorgeschlagen, die Grünanlage während der Nacht abzuschließen, um Drogenhandel und Gewaltkriminalität einzudämmen. Der Park im Berliner Bezirk Kreuzberg ist über die Stadtgrenzen hinaus als Brennpunkt der Drogenszene berüchtigt.

Herrmann zufolge sei der Vorschlag nicht neu und bereits in mehreren Anwohnerversammlungen diskutiert worden. Bis heute gebe es in der Nachbarschaft des Görlitzer Parks keine Akzeptanz für eine nächtliche Schließung. Auch für Lorenz Rollhäuser, Sprecher des Parkrats Görlitzer Park, stellt Akmanns Vorschlag keine Lösung des Kriminalitätsproblems dar. Es gebe immer wieder "ganz tolle Vorschläge, wie das Problem gelöst werden könnte", so Rollhäuser.

Der Parkrat sei jedoch "sehr viel mehr daran interessiert", das bereits 2016 gemeinsam mit dem Bezirk beschlossene Handlungskonzept endlich umzusetzen. Dieses sieht unter anderem bauliche Maßnahmen und eine kulturelle Belebung des Parks vor, die dazu führen sollen, dass auch Menschen, die den Görlitzer Park aktuell meiden, diesen wieder nutzen.

Bezirk in der Pflicht

Darüber hinaus brauche es dringend mehr Sozialarbeiter, die "aufsuchende Sozialarbeit" leisten, so Rollhäuser. Deren Aufgabe sei es, auf die jungen Männer, die im Görlitzer Park Drogen verkaufen, zuzugehen. Die Sozialarbeiter sollten für die oftmals aus Gambia und Ghana stammenden Asylbewerber eine Anlaufstelle darstellen, um Hilfe mit Fragen rund um Aufenthaltsstatus und Arbeitsbewilligung zu bekommen.

Das Geld dafür müsse jedoch vom Senat kommen und ließe seit 2016 auf sich warten, sagt Rollhäuser weiter. Zwar gebe es inzwischen Parkläufer sowie ein zuständiges Parkmanagement, doch das würde nicht reichen: Das Parkläuferkonzept müsse auf die Straßen um den Park ausgeweitet werden.

Dorthin würde sich bei einer nächtlichen Schließung des Parks das Problem verlegen, sagt auch Bezirksbürgermeisterin Herrmann: Schon jetzt werde auf den Straßen des benachbarten Wrangelkiezes sowie am Görlitzer Bahnhof gedealt. Im Falle einer nächtlichen Schließung des Parks würde sich dieses Phänomen weiter verstärken, heißt es in der Stellungnahme. Anwohner der umliegenden Gegenden würden davon nicht profitieren.

Akmanns Vorschlag, den Görlitzer Park zu umzäunen und mit Einlasstüren zu versehen, hält Lorenz Rollhäuser "nicht für wirklich realistisch". Dies stelle einen "unheimlichen Aufwand" dar und sei mit Kosten verbunden, die man für "sinnvollere Dinge" aufbringen sollte. Die Umsetzung des Handlungskonzepts stehe dabei für ihn an erster Stelle.

Quelle: n-tv.de, psa/dpa

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