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Wirbel um sexistische Werbung Maas' Verbotspläne stoßen auf Kritik

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Werbung, in der - wie hier in Magdeburg 2002 - bewusst mit Nacktheit ohne konkreten Bezug zum Produkt geworben wird, gibt es seit Jahren.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Mit dem Slogan "Sex sells!" könnte nach dem Willen von Bundesjustizminister Heiko Maas bald Schluss sein: Allzu nackte Tatsachen sollen in der Werbung künftig verboten werden können. Doch aus den Rängen von FDP und Union kommt Gegenwind.

Mit seinem jüngsten Vorstoß, sexistische Werbung per Gesetz verbieten zu lassen, stößt Bundesjustizminister Heiko Maas auf wachsende Kritik. FDP-Chef Christian Lindner warf Maas "Spießigkeit" vor. "Heiko Maas geht den nächsten Schritt zum Nannystaat, der den Bürgern nichts zutraut und Verbraucher für unmündig hält", sagte Lindner in Berlin. "Seine Pläne zum Verbot vom Nacktheit und sexualisierter Werbung sind an Spießigkeit kaum zu überbieten. Die Verhüllung von Frauen zur Bändigung von Männern zu fordern, das kannte man von radikalen islamischen Religionsführern, aber nicht vom deutschen Justizminister."

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Ähnlich kritisch äußerte sich auch Berlins Justizsenator Thomas Heilmann. "Die SPD scheint aus den Fehlern der Grünen nicht zu lernen", sagt der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Die Bevölkerung möchte zu Recht möglichst wenige Vorschriften. Wir brauchen weder einen Veggie Day noch Geschmacksvorschriften für Werbeplakate. Es gibt dafür den Werbe- und Presserat, die gut arbeiten." Nach Paragraf 4, Absatz 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ist menschenverachtende Werbung schon jetzt verboten.

Doch nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht soll die SPD-Parteispitze auf das Vorhaben, in Deutschland ein "moderneres Geschlechterbild" zu etablieren, gedrungen haben. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge will die Regierung in Kürze darüber beraten, ob auch solche Plakate oder Anzeigen unzulässig sind, die Frauen oder Männer auf Sexualobjekte reduzieren. Im Streitfall müsste ein Gericht entscheiden.

"Was kommt als nächstes auf Verbotsliste?"

Die rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker, sieht allerdings keine Notwendigkeit, an den bestehenden Regelungen zu rütteln. Grundsätzlich habe es sich "im Bereich der Werbung bewährt, dass der Deutsche Werberat als Einrichtung der Selbstdisziplinierung ethische Standards für Werbung festlegt, laufend fortschreibt und in Einzelfällen gegen ethisch fragwürdige Werbung einschreitet". Es passe nicht zu einem freiheitlichen Rechtsstaat, jede Geschmacklosigkeit mit Verbot und Strafe zu belegen, so Winkelmeier-Becker weiter.

Insbesondere bei Frauen aus Bundespolitik und Medien sorgte der Vorstoß für Häme. CSU-Politikerin Katrin Albsteiger fragte auf Twitter: "Stereotype Geschlechtsbilder in Werbung verbieten? Was kommt als nächstes auf Verbotsliste? Bier? Fettiges Essen?" "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch sah gar ein "Bundesgesetz gegen Blondinenwitze?" als mögliche Steigerung der vermeintlichen Regulierungswut. Gegen "sexistisch beworbene Produkte" helfe "ein einfaches Mittel: nicht kaufen".

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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