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Kampf "um die besten Köpfe" Marine sieht sich am Limit

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"Ein Blick auf unseren Alltag zeigt, dass die Marine bereits heute bis an ihre Grenze belastet ist."

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie steht es um Deutschlands Kräfte auf hoher See? Ein hoher Bundeswehroffizier sieht die Marine angesichts der Dauereinsätze gegen Piraten, Schleuser und Extremisten längst an ihrer Belastungsgrenze. "Wir haben auch Personalprobleme."

Der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Rainer Brinkmann, sieht die deutsche Marine vor dem Hintergrund der zahlreichen Auslandseinsätze am Limit der Belastbarkeit. Er verwies auf die Flüchtlingsrettung und Schleuserbekämpfung im Mittelmeer, den Nahost-Konflikt, Syrien und die Piraterie am Horn von Afrika.

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe die deutsche Marine bereits zweimal längere Einsatzfahrten zum Schutz des französischen Flugzeugträgers "Charles de Gaulle" unternommen. Dabei waren die beteiligten Einheiten teils vier Monate auf hoher See. "Ein Blick auf unseren Alltag zeigt, dass die Marine bereits heute bis an ihre Grenze belastet ist", sagte Brinkmann.

"Uns fehlen IT-Spezialisten"

Im Vergleich zu den Zeiten des Kalten Krieges sei die Marine auf ein Drittel gestutzt, betonte der hochrangige Bundeswehr-Offizier, der neben seinem Amt als Flottenbefehlshaber auch als stellvertretender Inspekteur der Marine fungiert. An fliegenden Einsatzkräften habe die Marine derzeit nur noch 50 Einheiten, von denen jedoch aufgrund von Instandsetzung, Ausbildung und Einsatz immer nur ein Drittel operativ verfügbar sei.

"Wir haben auch Personalprobleme, uns fehlen vor allem Elektroniker und IT-Spezialisten", sagte Brinkmann. Notwendig sei eine auf die Marine abgestimmte Personalwerbung. "Wir stehen mit der Wirtschaft in einem harten Konkurrenzkampf um die besten Köpfe, und da bedarf es der Anreize. Wir müssen attraktive Rahmenbedingungen gerade für den Dienst an Bord schaffen."

Die Marine umfasst derzeit rund 12.000 Soldatinnen und Soldaten. Brinkmann begrüßte, dass die deutschen Streitkräfte erstmals seit 1990 wieder wachsen. Auch die Marine werde gestärkt, um ihre gewachsenen Aufgaben erfüllen zu können. "Das sehen wir heute schon in diversen maritimen Rüstungsprojekten."

Der Vizeadmiral verwies unter anderem auf die Verstärkung für die deutsche U-Bootflotte, die um zwei Einheiten auf insgesamt acht U-Boote wachsen soll. Dazu kommt die Indienststellung der ersten F125-Fregatte der Baden-Württemberg-Klasse, die noch in diesem Jahr erfolgen soll. Ein weiteres Zeichen einer Stärkung der deutschen Seestreitkräfte sieht er in der Modernisierung der Fregatten der Klassen 123 und 124.

Früheren Angaben zufolge soll allein diese Maßnahme mit rund 450 Millionen Euro zu Buche schlagen. Fregatten seien das "Rückgrat unserer Flotte", verteidigte Vizeadmiral Brinkmann die Ausgaben für die Marine.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa