Politik

Im Schatten des Ukraine-Konflikts Merkel spricht stundenlang mit Putin

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Kameras waren bei dem Gespräch nicht zugelassen.

(Foto: dpa)

Die Ukraine-Krise belastet auch den G20-Gipfel in Brisbane. Die Kanzlerin nennt die geopolitischen Spannungen "nicht gerade wachstumsfördernd". Dabei setzt sie nach wie vor auf Diplomatie und trifft sich für Stunden mit Russlands Präsident Putin.

Die russische Rolle in der Ukraine-Krise lastet schwer auf dem Gipfeltreffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Australien. Kanzlerin Angela Merkel warnte am Rande des Treffens in Brisbane auch vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der "geopolitischen Spannungen". Die G-20-Partner versuchten aber weiter "alles diplomatisch Mögliche".

In einer kurzen Pressekonferenz sagte die Kanzlerin zuvor, es sei "unübersehbar, dass diese geopolitischen Spannungen, zu denen auch das Verhältnis zu Russland gehört, nicht gerade wachstumsfördernd sind". Es seien "alle bemüht, alles diplomatisch Mögliche daran zu setzen, Verbesserungen zu erreichen".

Am Rande des G20-Gipfels gab es ein überraschend angesetztes Krisen-Gespräch zum Ukraine-Konflikt der Kanzlerin mit Russlands Präsident Wladimir Putin und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Merkel verließ nach insgesamt fast vier Stunden Putins Hotel, wo das Gespräch stattfand. Zuvor hatte Merkel rund zwei Stunden ein Vieraugengespräch mit Putin geführt. Danach kam Juncker dazu. Putin und Juncker führten wiederum nach Merkels Abfahrt ihr Gespräch fort, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte russischen Agenturen zufolge, dass Putin der Kanzlerin noch einmal eingehend die Nuancen des russischen und europäischen Zugangs zum Ukraine-Konflikt erklärt habe. Bei den Treffen sei es auch um die Beziehungen zu Deutschland und zur Europäischen Union gegangen, sagte Peskow. Es habe sich um sehr lange Gespräche mit den beiden Politikern gehandelt. Inhalte wurden bislang nicht bekannt.

Cameron spricht von Schikane

Schon vor dem Gipfelbeginn am Samstag war dem Kreml-Chef heftige Kritik entgegengeschlagen. Der britische Premierminister David Cameron warf Putin vor, "einen kleineren Staat in Europa zu schikanieren". Frankreichs Staatschef François Hollande appellierte in einem Gespräch mit Putin an die "Verantwortung, die Krisen in der Ukraine und andernorts in der Welt zu lösen". Auch Merkel sprach am Samstag direkt mit Putin, zum Inhalt gab es zunächst keine Angaben.

Nach Angaben von Putin-Sprecher Dmitri Peskow wurden "in allen bilateralen Gesprächen Sanktionen aktiv und breit besprochen, aber niemand macht Druck". Putin selbst warnte in einem Interview mit der ARD, das schon am Donnerstag geführt aber erst am Sonntag ganz ausgestrahlt werden sollte, eindringlich vor weiteren Sanktionen des Westens. Wenn die EU und die USA die russischen Banken vom Finanzmarkt abschneiden wollten, "dann werden sie die Pleite der Ukraine provozieren", sagte Putin. Denn die russischen Banken hätten der ukrainischen Wirtschaft Kredite von 25 Milliarden Dollar gewährt.

Reist Putin früher ab?

Verwirrung gab es in Brisbane über Aussagen aus Putins Delegation, der Kreml-Chef wolle den Gipfel am Sonntag vorzeitig verlassen. Er werde schon vor dem Mittagessen abreisen, hieß es, denn dabei handele es sich "eher um Unterhaltung", sagte ein Delegationsmitglied. Sein Sprecher Peskow mühte sich anschließend um Entschärfung: Putin werde abreisen, "wenn die Arbeit getan ist". Putin habe seine Pläne keinesfalls wegen des Drucks der anderen G-20-Partner geändert.

Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen befinden sich angesichts des Ukraine-Konflikts auf dem tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges. Der Westen wirft Moskau vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine in ihrem Kampf gegen die ukrainischen Regierungstruppen militärisch zu unterstützen. Russland wurde deshalb bereits mit zahlreichen Sanktionen belegt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte in Brisbane vor einem neuen Kalten Krieg. Der Konflikt um die Ostukraine könne zu einer Spaltung mit weitreichenden Folgen für die ganze Welt führen.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa