Politik

"Sehr motivierte Demonstranten" Mob stürmt Botschaft in Teheran

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Am Fahnenmast auf dem Botschaftsgelände hängt eine iranische Fahne.

(Foto: AP)

Demonstranten stürmen die britische Botschaft in Teheran, verbrennen Dokumente und verwüsten Büros. Hintergrund der Aktion ist offenbar der Tod eines iranischen Atomwissenschaftlers vor einem Jahr. Beobachter sagen, das Regime versuche, von internen Zerwürfnissen abzulenken.

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Ein Demonstrant mit einem Bild der britischen Königin Elizabeth II.

(Foto: dpa)

Mehrere hundert Demonstranten haben in der iranischen Hauptstadt Teheran die britische Botschaft sowie eine weitere diplomatische Einrichtung der Briten gestürmt. Großbritannien reagierte entrüstet, Irans Regierung "bedauerte" den Angriff.

Zum Sturm auf die Botschaft kam es während einer Demonstration vor dem Gebäude gegen die Verhängung neuer Sanktionen durch Großbritannien. Rund 20 Demonstranten kletterten über die Mauern des Geländes. Dort rissen sie die britische Flagge herunter, ersetzten sie durch eine iranische, demolierten die Einrichtung und verbrannten Dokumente. Nachdem die Polizei zunächst nicht eingeschritten war, vertrieb sie die Demonstranten. Am Abend gelangten Demonstranten jedoch erneut durch den Haupteingang auf das Gelände, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Der Iran-Experte der Grünen, Omid Nouripour, sagte, offenbar versuchten die Hardliner im iranischen Regime, mit dieser Aktion von dem Zerwürfnis in der Führung in Teheran abzulenken. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Angriff auf die britische Botschaft "auf das Schärfste". Die 15 Mitglieder des obersten UN-Gremiums erinnerten in ihrer Erklärung daran, dass die Regierung eines Gastlandes verpflichtet sei, "alle nötigen Maßnahmen" zum Schutz der diplomatischen und konsularischen Einrichtungen auf ihrem Territorium zu treffen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle bestellte den iranischen Botschafter ein.

Deutsche Schule "offenbar in Mitleidenschaft gezogen"

Rund 200 Angehörige der regierungstreuen Bassidsch-Miliz besetzten außerdem eine zweite diplomatische Einrichtung Großbritanniens im nördlichen Stadtteil Golhak. Auf dem Gelände befinden sich Gästehäuser sowie deutsche, britische und französische Schulen. Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte die Erstürmung der Botschaft und des Geländes in Golhak "auf das Schärfste". Dabei sei "offenbar auch die Deutsche Schule in Teheran in Mitleidenschaft gezogen" worden, hieß es in einer Erklärung. Am Abend waren nach den Berichten iranischen Medien noch immer die Sicherheitskräfte im Einsatz, um beide Gelände von Demonstranten zu räumen.

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Ein iranischer Geistlicher hat gewisse Schwierigkeiten mit der englischen Sprache.

(Foto: AP)

Das britische Außenministerium forderte Teheran auf, seine internationalen Verpflichtungen zum Schutz von Botschaften einzuhalten. Es rief alle Landsleute im Iran auf, zuhause zu bleiben und sich ruhig zu verhalten. Iranischen Medien zufolge hielten die Demonstranten auf dem Gelände in Golhak vorübergehend sechs Botschaftsangestellte fest.

Reaktion auf Ermordung von Atomwissenschaftler

Großbritannien, die USA und Kanada hatten Mitte November ihre Sanktionen gegen den Iran verschärft. Sie reagierten damit auf den jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), in dem erstmals "glaubwürdige Hinweise" auf eine militärische Dimension des iranischen Atomprogramms aufgelistet wurden. Am Montag stimmte das iranische Parlament für die Ausweisung des britischen Botschafters Dominick Chilcott innerhalb von zwei Wochen. In einer Parlamentsdebatte am Sonntag hatte ein iranischer Abgeordneter davor gewarnt, wütende Bürger könnten die britische Botschaft stürmen wie sie es 1979 mit der US-Vertretung gemacht hatten.

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars ist die Erstürmung der Botschaft auch eine Reaktion auf den Tod eines Atomwissenschaftlers. Demnach sollen israelische und britische Geheimdienstmitarbeiter den Iraner Majid Shahriari vor einem Jahr getötet haben. Die Führung in Teheran hatte die IAEA beschuldigt, sie habe durch die Veröffentlichung der Namen von iranischen Atomwissenschaftlern diese zu Zielscheiben der Geheimdienste gemacht. In der Meldung von Fars ist von "sehr motivierten und überzeugten" Demonstranten die Rede.

Iran lässt Vorfall "untersuchen"

Das britische Außenministerium bezeichnete die Erstürmung als völlig inakzeptabel. "Wir sind entsetzt", hieß es in einer Erklärung. Auch Frankreich ging mit den iranischen Behörden hart ins Gericht. "Einmal mehr hat das iranische Regime den Beweis für die geringe Wertschätzung geliefert, die sie für internationales Recht hat", erklärte Außenminister Alain Juppé in Paris.

Das iranische Außenministerium bedauerte später das inakzeptable Verhalten einiger Demonstranten. Polizei und Sondereinsatzkräfte hätten versucht, dies zu verhindern. Der Vorfall werde untersucht.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa/rts

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