Politik

Erster frei gewählter Präsident Ägyptens Mohammed Mursi zum Tode verurteilt

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Mohammed Mursi zu seiner Zeit als Präsident Ägyptens.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weil er mit einer ausländischen Organisation zusammegearbeitet und einen Gefängnisausbruch organisiert haben soll, verurteilt ein Gericht Mohammed Mursi zum Tode. Neben dem ehemaligen Präsidenten Ägyptens müssen über hundert weitere Angeklagte eine Hinrichtung fürchten.

Ägyptens erster demokratisch gewählter früherer Präsident Mohammed Mursi ist zum Tode verurteilt worden. Mursi hörte die Urteilsverkündung in einem Käfig im Gerichtssaal in Kairo. Der islamistische Ex-Staatschef war bei der Urteilsverkündung in blaue Gefängniskluft gekleidet und reckte zum Trotz die Fäuste in die Luft, als der Schuldspruch verlesen wurde. Neben Mursi standen 128 weitere Angeklagte vor Gericht, von denen mehr als hundert ebenfalls die Todesstrafe erhielten. Unter ihnen ist der Chef der islamistischen Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, der bereits in einem anderen Prozess zum Tode verurteilt worden war, sowie sein Stellvertreter Chairat al-Schater. Viele der Angeklagten wurden in Abwesenheit verurteilt, darunter der bekannte islamische Geistliche Jussuf al-Karadawi.

Mit dem Todesurteil wurden sie für die Gewalt während des Aufstands gegen Mubarak Anfang 2011 verurteilt, während Mubarak selbst wegen des Tods regierungskritischer Demonstranten bei der Revolte freigesprochen wurde. Mursi befand sich zu Beginn des Aufstands in Haft, kam aber im Zuge der Gefängnisausbrüche gemeinsam mit tausenden Häftlingen frei.

Das Todesurteil soll nun vom Mufti, einem islamischen Rechtsgutachter und geistlichen Berater der Regierung, geprüft werden. Dem Mufti kommt in diesen Fällen eine beratende Rolle zu. Auch die Verurteilten können in Berufung gehen. Das Gericht will am 2. Juni seine endgültige Entscheidung bekanntgeben. In einem weiteren Prozess wegen Verschwörung und Spionage steht ein Urteil gegen Mursi und 18 Mitangeklagte noch aus.

Mursi war Mitglied der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft. Die Ägypter wählten ihn 2012 zum Präsidenten. Damit war er der erste frei gewählte Präsident des Landes. Ein Jahr später stürzte ihn das Militär nach langen Massenprotesten. Der Armeechef Abdel Fattah al-Sisi übernahm das Amt, das er bis heute innehat. Al-Sisi hat angekündigt, die Muslimbruderschaft auslöschen zu wollen. Seither wurden mehr als 1400 Mursi-Anhänger getötet und mehr als 15.000 weitere inhaftiert.

Quelle: ntv.de, che/AFP

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