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US-Systeme rund um Russland? Moskau kritisiert Japans Raketenabwehr

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Längst mit Aegis ausgestattet: Der Lenkwaffenzerstörer "JDS Chokai" der japanischen Marine.

(Foto: REUTERS)

Die Raketengefahr aus Nordkorea überschattet indirekt auch die japanisch-russischen Beziehungen. Japan will weitere Hightech-Abwehrsysteme aus den USA installieren. Russland fühlt sich von allen Seiten umzingelt.

Russland hat Pläne der japanischen Regierung zur Stationierung von Raketenabwehrsystemen aus den USA kritisiert. "Wir haben unsere tiefe Besorgnis ausgedrückt", sagte Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit seinem japanischen Kollegen Taro Kono in Moskau.

In Europa würden diese US-Systeme unter dem Vorwand aufgestellt, auf eine Gefahr aus dem Iran zu reagieren, in Asien würden sie als Reaktion auf eine nordkoreanische Bedrohung stationiert, meinte Lawrow. "Wenn Sie auf die Karte schauen, sehen Sie, dass diese amerikanischen Raketenabwehrsysteme Russland und China einkreisen", fügte Lawrow hinzu.

Japan hatte nach den jüngsten Raketentests Nordkoreas angekündigt, seine Kapazitäten zur Raketenabwehr auszubauen. Im Gespräch sind Berichten zufolge auch weitere Aegis-Systeme aus den USA. Dabei handelt es sich um weitreichende elektronische Frühwarnanlagen, mit denen einfliegende Objekte erkannt und überwacht werden können.

Aegis-Systeme sind üblicherweise auf Lenkwaffenzerstörern installiert, wo sie das Rückgrat der radarbasierten Kampfführung bilden und das Raketenarsenal an Bord steuern. In der Praxis lassen sich die Aegis-Komponenten allerdings auch als stationäre Einheiten an Land aufbauen, allerdings müssen dann Startbehälter für die passenden Abwehrraketen ergänzt werden.

Genau das scheint russische Verteidigungsexperten zu alarmieren. Das Aegis-System sei auch dazu geeignet, Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" zu steuern, sagte Lawrow. Die Stationierung solcher offensiv ausgerichteter Waffensysteme wäre ein Verstoß gegen geltende Abrüstungsvereinbarungen, warnte er.

Schutzschirm mit großer Reichweite

Außenminister Kono versicherte Lawrow, dass die Pläne keine negativen Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Japan und Russland haben sollten. Offenbar sollte sein Besuch in Moskau auch dazu dienen, die russischen Bedenken zu zerstreuen.

Bisher verfügt Japan über zwei Raketenabwehrsysteme. Für Abwehrstellungen an Land betreiben die japanischen Streitkräfte "Patriot"-Raketen vom Typ "Patriot Advanced Capability" (PAC-3), die zum Beispiel in Tokio und an anderen strategisch bedeutsamen Orten stationiert sind.

Zur Raketenabwehr auf hoher See setzt Japan auf mit Aegis-Anlagen ausgestattete Zerstörer, die aus Startbehältern an Deck die sogenannte "Standard Missile-3" (SM-3) aus US-amerikanischer Produktion verschießen können. Im Fall einer Eskalation der Nordkorea-Krise könnten diese Schiffe als Vorposten im Meer vor der japanischen Küste auffahren.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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