Politik

Der Mythos der sicheren Verschlüsselung NSA knackt sogar Blackberry

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Die NSA-Spähaffäre sorgt seit Monaten für Ärger.

(Foto: Reuters)

Private Fotos, Kontaktlisten, Aufenthaltsorte: Smartphones sind nicht sicher vor der NSA. Das gilt auch für die Geräte von Blackberry. Dabei galten die immer als unknackbar. Konsequenzen hat das möglicherweise sogar für die Kanzlerin.

Wenn die Klischees stimmen, dann sind Blackberry-Handys unverdächtig. Zur Zielgruppe der Geräte gehören vor allem Unternehmen mit Managern und Angestellten im feinen Zwirn. Terrorismusrisiko: quasi nicht vorhanden. Doch das hilft dem kanadischen Unternehmen offenbar auch nicht.

Von der Massenausspähung der NSA sind offenbar auch Smartphones betroffen. Wie der "Spiegel" berichtet, kann der US-Geheimdienst die meisten Geräte auslesen, darunter Apples iPhone, Blackberry sowie Googles Betriebssystem Android. Für die NSA ist der Markt hoch lukrativ. Allein in den USA besitzen 130 Millionen Mensch ein Smartphone.

Die NSA soll für jeden gängigen Hersteller eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet haben. Die Experten machen den Weg frei zu den persönlichen Daten der Telefonnutzer. Beim iPhone dringe man dafür in die Computer ein, mit dem das Mobiltelefon synchronisiert wird. Spezielle Programme ermöglichen dabei den Zugang zu 38 verschiedenen iPhone-Anwendungen, darunter den Kartendienst, Fotos, Facebook und der Voicemail.

Ladenhüter in der Krise

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Die Kanzlerin setzt auf Blackberry.

(Foto: REUTERS)

Kaum etwas ist noch sicher, auch nicht auf dem Smartphone. Ein besonders heftiger Schlag ist das wohl für Blackberry. Der kanadischen Firma geht es schlecht. Den Markt für Geschäftsleute hat sie zwar lange dominiert, doch den Anschluss an die neuen Smartphone-Trends weitgehend verpasst. Ihr Modell Q10 gilt als Ladenhüter. Während Konkurrent Nokia sein Handy-Geschäft zu Microsoft auslagern konnte, sucht man verzweifelt nach einem Käufer. Mitten hinein in die Krise platzt nun die nächste Schreckensnachricht: Die Geräte sind offenbar bei Weitem nicht so sicher wie gedacht.

Dabei war es gerade die Sicherheit des eigenen Mailsystems, auf die man bei Blackberry immer besonders stolz war. Das Rechenzentrum mit den firmeneigenen Enterprise Servern sichern die Nutzerdaten mit einer speziellen Verschlüsselungstechnik und einer zusätzlichen Firewall. Dieses System sei unknackbar, das Gerät absolut abhörsicher, beteuerte das Unternehmen stets. Alle Versuche, wie lange es dauern würde, es zu knacken, würden in Millionen von Jahren gerechnet - so scherzen überzeugte Nutzer in Internetforen.

Keine einprogrammierte "Hintertür"

Dabei lockerte das Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder von sich aus seine Sicherheitshürden. In Indien gab es die Befürchtung, Extremisten könnten die Sicherheitstechnik ausnutzen. Auf Druck der indischen Regierung gestattete Blackberry 2011 schließlich die Überwachung des E-Mail-Verkehrs von Privatkunden. Auch in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten passte man die Dienste den nationalen Sicherheitsanforderungen an. Neuen Ärger gab es im Juli dieses Jahres, als Experten dem Unternehmen vorwarfen, die E-Mail-Zugangsdaten an Server in Kanada zu übermitteln.

Für die NSA war die Sicherheitsstufe von Blackberry offenbar nicht hoch genug. Dem "Spiegel"-Artikel zufolge konnte der Geheimdienst schon 2009 den SMS-Verkehr lesen. Zwischenzeitlich habe Blackberry die Datenkomprimierung zwar geändert, aber kurz später sei es der NSA wieder gelungen, den Zugang sicherzustellen. Wie das Unternehmen die Enthüllungen bewertet? Eine detaillierte Stellungnahme lehnt Blackberry ab. Nur so viel: Es gebe keine einprogrammierte "Hintertür".

Mit Aufmerksamkeit dürfte man die neuen Entwicklungen auch im Bundeskanzleramt verfolgen. In diesem Sommer wurden alle Bundesbehörden mit neuen und speziell verschlüsselten Handys ausgestattet. Auch Kanzlerin Angela Merkel, die bisher ein Nokia E63 genutzt hat, ist umgestiegen. Alle, vom einfachen Beamten bis hin zur Kanzlerin, erhielten Geräte von Blackberry.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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