Politik
Polizisten führen einen Teilnehmer des Festivals ab.
Polizisten führen einen Teilnehmer des Festivals ab.(Foto: dpa)
Sonntag, 10. Juni 2018

Rechtsrock-Festival in Themar: Neonazis kassieren 84 Anzeigen

Themar erlebt erneut ein braunes Wochenende: Mehr als 2200 Neonazis reisen zu einem Rechtsrock-Festival in der thüringischen Kleinstadt an - viele von ihnen kommen aus dem Ausland. Ein Journalist wird von einem Rechten ins Gesicht geschlagen.

Am Ende waren es mehr Rechte als erwartet: Bis zu 2243 Besucher sind zu einem Rechtsrock-Festival nach Themar im Süden Thüringens angereist. Sie kamen laut Polizei aus dem rechten und rechtsextremistischen Spektrum und reisten aus ganz Deutschland sowie Frankreich, Italien, Kroatien, Norwegen und Russland an. Das Treffen fand am Freitag und Samstag statt. Der Thüringer Verfassungsschutz hatte mit bis zu 1500 Besuchern gerechnet.

Die Gegendemo verläuft laut Polizei störungsfrei.
Die Gegendemo verläuft laut Polizei störungsfrei.(Foto: dpa)

Bereits im vergangenen Jahr hatte es in der Kleinstadt ein Rechtsrock-Konzert gegeben. Es war damals das bundesweit wohl größte des Jahres. Bei Protesten gegen das Festival waren nach Polizeiangaben zeitweise 300 Menschen auf den Straßen in Themar unterwegs. Um an die Opfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990 zu erinnern, trugen Demonstranten Holzkreuze vor das Festival-Gelände. Die Proteste seien "störungsfrei" verlaufen, hieß es.

Gegen einen Demonstranten wurde laut Polizei Anzeige erstattet - weshalb, ist unklar. Auf Seiten der rechten Festivalbesucher registrierte die Polizei 84 Anzeigen, die meisten wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, zwei wegen Volksverhetzung, auch Drogendelikte wurden verfolgt. Bereits am Freitag hatten laut Polizei einige Festivalbesucher den Hitlergruß gezeigt.

Polizei setzt mehrere Hundertschaften ein

Ein 33 Jahre alter, mutmaßlich Rechter soll zudem am ersten Konzerttag einem 27-jährigen Journalisten ins Gesicht geschlagen haben. Die Ermittlungen dazu laufen. Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit mehreren Hundertschaften. Polizisten aus Thüringen und anderen Bundesländern waren daran beteiligt. Nach scharfer Kritik an der Einsatztaktik im Vorjahr gingen die Beamten diesmal konsequenter gegen Rechtsverstöße vor.

Im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Neonazis bei dem Rechtsrock-Konzert in Themar den Hitlergruß gezeigt, ohne dass die Polizei in vielen Fällen deswegen eingeschritten war oder den Vorfall mit eigenen Kamerateams dokumentiert hatte.

Quelle: n-tv.de