Politik

Proteste in Ost-Jerusalem Neue Kämpfe überschatten Fastenbrechen

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Nach einem israelischen Luftschlag steigt Rauch über Gaza Stadt auf.

(Foto: dpa)

Das Fastenbrechen ist ein weltweit von Muslimen begangenes Fest. Im Gazakrieg schweigen zu seinem Beginn aber nur kurz die Waffen. Schon im Laufe des Tages starten beide Seiten neue Angriffe. In Ost-Jerusalem protestieren derweil Zehntausende Palästinenser.

In Ost-Jerusalem haben zehntausende Palästinenser gegen die israelische Militäroffensive im Gazastreifen demonstriert. Nach Angaben der Polizei versammelten sich 45.000 Palästinenser auf dem Weg zur Al-Aksa-Moschee, um den Beginn des muslimischen Fests Eid al-Fitr zum Ende des Ramadan zu feiern.

"Unser Blut für Gaza" sangen viele Menschen. Einige von ihnen trugen T-Shirts mit Slogans, die die Hamas und ihre bewaffneten Einheiten, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, unterstützen.

Von dem seit drei Wochen andauernden Konflikt im Gazastreifen zwischen der israelischen Armee auf der einen und der Hamas und weiteren militanten Gruppen auf der anderen Seite sind auch Ost-Jerusalem und das Westjordanland betroffen. Immer wieder kam es dort zu schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften, bei denen in den vergangenen Wochen mehrere Palästinenser getötet und Hunderte festgenommen wurden.

Beschuss kurzfristig eingestellt

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Zum Beginn des islamischen Fests des Fastenbrechens, Eid al-Fitr, hatten sich die Kämpfe im Nahen Osten vorübergehend abgeschwächt. Nach Angaben der israelischen Armee stellten sowohl Israel als auch die radikalislamische Hamas im Gazastreifen in der Nacht ihren Beschuss ein.

Viele Palästinenser im Gazastreifen versuchten, das dreitägige religiöse Fest des Fastenbrechens zu begehen. Mehrere hundert Menschen kamen zum Gebet in die Al-Omari-Moschee, gingen danach aber schnell wieder nach Hause oder zum Friedhof, um jüngst verlorene Familienangehörige zu betrauern. "Nach all der Zerstörung und dem Krieg, den wir hier gesehen haben, gibt es kein Eid-Fest für uns", sagte ein 44-jähriger Palästinenser namens Issa.

Am Vormittag gab es aber wieder vereinzelte Angriffe von beiden Seiten. Nach Angaben der palästinensischen Rettungskräfte starben dabei zwei Menschen, darunter ein vierjähriger Junge, als ein israelisches Panzergeschoss in einem Wohnhaus im nördlich gelegenen Dschabalija einschlug. Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete schlug derweil im israelischen Aschkelon ein. Auf Twitter gab die israelische Armee die Zahl der von der Hamas abgefeuerten Raketen mit 2538 an.

"Bis wir alle Tunnel zerstört haben"

Israel will seine Offensive im Gazastreifen trotz vieler ziviler Todesopfer noch fortsetzen. "Wir werden in den kommenden Tagen weitermachen, bis wir alle Tunnel zerstört haben", sagte Geheimdienstminister Juval Steinitz in Jerusalem. Wichtigstes längerfristiges Ziel sei eine Entmilitarisierung des Küstenstreifens am Mittelmeer.

"Wir wollen eine umfassende Lösung, die wirkliche Erleichterung für die Menschen auf beiden Seiten bringt", so Steinitz. Die Palästinenser hätten sich im Rahmen der Friedensabkommen mit Israel zu einer solchen Entmilitarisierung verpflichtet. "Die Raketen sind das Kernproblem in Gaza." Auch die Menschen im Gazastreifen litten unter "diesem unnötigen Krieg".

Insgesamt kamen seit Beginn des Konflikts Anfang Juli nach palästinensischen Angaben fast 1040 Palästinenser ums Leben, mehr als 6000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 43 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Der UN-Sicherheitsrat forderte in der Nacht einstimmig in einer Erklärung eine "sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe". US-Präsident Barack Obama forderte in einem Telefonat mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ebenfalls eine sofortige und bedingungslose Feuerpause im Gazastreifen.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP/rts

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