Politik

Ansprache an Römische Kurie Papst geißelt Missbrauch und Schweigen

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Papst Franziskus verurteilt Versuche, innerhalb der Kirche Missbrauchstaten zu verschweigen.

(Foto: dpa)

Die Katholische Kirche wird in diesem Jahr von einem beispiellosen Missbrauchskandal erschüttert. Vor leitenden Mitarbeitern verurteilt Papst Franziskus Taten und Täter. Besonders zornig machten ihn Versuche, die Vorgänge zu verschleiern.

Papst Franziskus hat die Vertuschung von sexuellem Missbrauch entschieden verurteilt. "Die Kirche wird niemals versuchen, einen einzigen Fall zu vertuschen oder unterzubewerten", sagte das katholische Kirchenoberhaupt beim traditionellen Weihnachtsempfang für leitende Mitarbeiter der römisch-katholischen Kirche, die Römische Kurie. Der Argentinier legte in seiner diesjährigen Ansprache einen klaren Schwerpunkt auf das Thema Missbrauch, welches das Jahr 2018 überschattet hatte.

Dabei forderte er die Missbrauchstäter aus der katholischen Kirche auf, sich der weltlichen Justiz zu stellen. "Zu denen, die Minderjährige missbrauchen, würde ich sagen: Kehrt um und stellt euch der weltlichen Gerichtsbarkeit, und bereitet euch auf das Gericht Gottes vor". Die Kirche selbst werde "keine Mühe scheuen", um die Täter vor Gericht zu bringen.

Zugleich räumte der Papst diesbezüglich schwere Versäumnisse der Kirche in der Vergangenheit ein. Aus "Verantwortungslosigkeit, Ungläubigkeit, mangelnder Ausbildung, Unerfahrenheit oder spiritueller und menschlicher Kurzsichtigkeit" seien viele Fälle von Kindesmissbrauch nicht ernst und schnell genug behandelt worden. Dies dürfe und werde nie wieder geschehen, versicherte Franziskus. Bei jedem einzelnen Fall handele es sich um eine "Ungeheuerlichkeit". Die Wahrheit zu verschleiern sei dabei "der größte Skandal".

Und noch immer gebe es Priester, "die die Verletzlichen missbrauchen und dabei einen Vorteil aus ihrer Stellung und ihrer Überzeugungskraft ziehen". Diese Kleriker begingen "abscheuliche Taten" und würden dennoch weiter ihre Funktionen ausüben, als ob nichts geschehen sei. "Oft verbergen sie hinter ihrer grenzenlosen Liebenswürdigkeit, ihrer tadellosen Leistung und ihren engelsgleichen Gesichtern schamlos einen teuflischen Wolf, der bereit ist, unschuldige Seelen zu fressen."

Wegen des Umgangs mit Missbrauchsskandalen in Chile oder in den USA steht der Papst selbst in der Kritik. Nun versprach er, dass die Kirche nichts unversucht lassen werde, um jeden vor Gericht zu bringen, der solche Verbrechen begangen habe. Für Februar hat der Pontifex einen Gipfel zum Missbrauch im Vatikan einberufen. Die Erwartungen sind hoch, dass an dessen Ende handfeste Ergebnisse stehen.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/AFP