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Der Vatikan schweigt Papst lehnt schwulen Diplomaten ab

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Laurent Stefanini ist Katholik und arbeitete vor zehn Jahren bereits in der Vatikan-Botschaft.

imago/PanoramiC

Der Vatikan verweigert einem französischen Diplomaten die Zustimmung, Botschafter in dem Kirchenstaat zu werden. Der "Schutz der Ehe" scheint dem Papst wichtiger zu sein als der Kampf gegen den Klimawandel.

Der Vatikan schweigt. Drei Monate nach seiner Ernennung zum französischen Botschafter im Vatikan hat der Diplomat Laurent Stefanini noch immer keine Zustimmung vom Heiligen Stuhl erhalten. Ein möglicher Grund: Stefanini ist homosexuell.

"Normalerweise dauert diese Zustimmung nicht mehr als einen oder anderthalb Monate", zitiert der Sender France 24 einen "informierte Quelle" in Rom. Eine ausdrückliche Ablehnung gebe es grundsätzlich nicht. "Wenn es keine Antwort gibt, muss das betreffende Land das Schweigen selbst interpretieren."

Stefanini wurde bereits am 5. Januar nominiert, Berichten zufolge hat der französische Premierminister Manuel Valls mittlerweile die Namen anderer Diplomaten ins Spiel gebracht, aber Präsident François Hollande hält noch an Stefanini fest. "Laurent Stefanini ist einer unserer besten Diplomaten, daher wurde er nominiert", sagte ein Sprecher des Élysée-Palastes der Nachrichtenagentur AFP.

Vor acht Jahren hat Frankreich schon einmal einen homosexuellen Diplomaten zum Vatikan-Botschafter ernannt. Auch damals reagierte der Heilige Stuhl mit anhaltendem Schweigen. Die Nominierung wurde schließlich zurückgezogen. Dieser Diplomat lebte in einer eingetragenen Partnerschaft; Stefanini dagegen ist ledig und laut France 24 "extrem diskret, was sein Privatleben betrifft".

Hollande hofft auf päpstliche Unterstützung

Laut dem italienischem Blog "Vatican Insider" gilt die Ablehnung auch nicht der Tatsache, dass Stefanini schwul ist. Als Problem werde vielmehr gesehen, dass der Diplomat sich öffentlich für die rechtliche Öffnung der traditionellen Ehe auch für Homosexuelle ausgesprochen habe, die in Frankreich 2013 nach heftigen öffentlichen Kontroversen beschlossen wurde.

Berichten zufolge hat Hollande Stefanini nicht ernannt, um den Vatikan zu provozieren. Der 55-jährige Diplomat ist praktizierender Katholik, gilt als kultiviert und war in den Jahren 2001 bis 2005 bereits die Nummer zwei in Frankreichs Vatikan-Botschaft. Später arbeitete er im Außenministerium in Paris, seit 2010 ist er Protokoll-Chef im Èlysée-Palast. Hollande soll ihn ausgewählt haben, weil Stefanini umweltpolitische Expertise mitbringt: Im Dezember findet in Paris der Weltklimagipfel statt; Hollande hofft dabei auf die Unterstützung von Papst Franziskus, der gerade an einer Enzyklika über die globale Erwärmung arbeitet.

Zwar hat sogar der Erzbischof von Paris im Vatikan für Stefanini plädiert, doch katholische Familienschützer der Anti-Schwulen-Bewegung, die 2013 gegen die Öffnung der Ehe protestiert hatten, wurden ebenfalls an der Kurie vorstellig. Dass der Heilige Stuhl seine Meinung ändert, gilt als unwahrscheinlich. Am Ende wird Hollande wohl nachgeben müssen.

Quelle: n-tv.de, hvo

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