Politik

Guttenberg-Wiki sammelt Beweise Plagiatjäger durchforsten Doktorarbeit

Nun wird die Dissertation von Verteidigungsminister Guttenberg Seite für Seite unter die Lupe genommen: Im Internet sammeln Plagiatsjäger Textstellen aus Guttenbergs Doktorarbeit, die er ohne Quellenangabe kopiert haben soll. Zwei Dutzend Belege gibt es bereits.

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Wo findet sich noch eine kopierte Textstelle ohne Hinweis? Die Guttenberg-Dissertation dürfte derzeit zu den bestgelesenen Werken der Wissenschaft zählen.

(Foto: dapd)

Die Schummelvorwürfe gegen Verteidigungsminister zu Guttenberg rufen Plagiatsjäger im Internet auf den Plan. Im Wiki "GuttenPlag" dokumentieren sie alle Textstellen der Dissertation, bei denen der Politiker möglicherweise abgeschrieben hat. Wie im Online-Lexikon Wikipedia können dort alle Nutzer gemeinsam Texte bearbeiten und etwa eigene Funde hinzufügen. Die Macher rufen die Internetgemeinschaft dazu auf, die Arbeit auf weitere Plagiate zu durchforsten.

Bislang haben die freiwilligen Helfer bereits fast 30 Textstellen zusammengetragen. Der größte Teil ist aber bereits aus Medien oder der Rezension des Politikwissenschaftlers Andreas Fischer-Lescano bekannt. Die Website zeigt für verschiedene Seiten der Dissertation den Text der wissenschaftlichen Arbeit übersichtlich neben der vermuteten Vorlage an, so dass ein direkter Vergleich möglich ist.

Betreiber will Integrität sichern

Der Betreiber wollte sich bislang nicht öffentlich zu seinen Motiven und Hintergründen äußern. Der in Dresden und Salzburg lebende Medienwissenschaftler Stefan Weber soll das Wiki eingerichtet haben. Auf der Webseite betont er, dass die Aktion "nichts mit politischer Ausrichtung, persönlicher Schmutzkampagne oder ähnlichem" zu tun habe. Ziel sei es vielmehr, die "wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern, damit auch weiterhin eine korrekte wissenschaftliche Arbeitsweise von Trägern eines solchen Titels erwartet werden kann."

Weber selbst ist Privatdozent und Fachbuchautor und hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 300 wissenschaftliche Texte auf Plagiate untersucht. In mehr als 70 Fällen sei er fündig geworden, in elf Fällen sei der mit Hilfe der Plagiate erreichte akademische Grad aberkannt worden.

Auf der Diskussionsseite lobten viele Nutzer das Wiki. "Es ist unsere Pflicht als Bürger, die Politiker, die uns vertreten sollen, zu "überwachen"", schrieb einer. Nur eine Minderheit kritisierte das Projekt. In einem Kommentar heißt es: "Es stellt sich wirklich die Frage, was hier für Leute zu Gange sind. Wahrscheinlich mal wieder unsere linken Freunde und die Mitbürger, die den ganzen Tag daheim sitzen und sich vom Staat bezahlen lassen."

Quelle: n-tv.de, tis/dpa/AFP

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