Politik

Möglicherweise Racheakt Polizistin gezielt getötet?

Im April 2007 wird Michèle Kiesewetter in Heilbronn durch einen Kopfschuss getötet. Die Mordwaffe und auch Kiesewetters Dienstwaffe werden später beim Zwickauer Neonazi-Trio gefunden. Dennoch bleibt bislang offen, warum die junge Polizistin ermordet wurde. Nun sehen die Ermittler doch eine Verbindung zwischen Zschäpe und Co. und der ebenfalls aus Thüringen stammenden Kiesewetter.

Zwischen der vor viereinhalb Jahren und dem Zwickauer Neonazi-Trio gibt es nach den Erkenntnissen von Ermittlern sehr wahrscheinlich doch eine engere Verbindung. Bei dem Mord habe es sich möglicherweise um eine Beziehungstat gehandelt, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, im Bundestags-Innenausschuss. Auch Sicherheitskreise sprachen davon, dass es sich doch um einen gezielten Mord gehandelt haben könnte.

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Kiesewetter war aus Thüringen zur Polizeiausbildung nach Baden-Württemberg gegangen.

(Foto: dpa)

Die aus Thüringen stammende Polizistin Michèle Kiesewetter war am 25. April 2007 in Heilbronn auf einer Festwiese mit einem Kopfschuss getötet worden. Ihr damals 24 Jahre alter Streifen-Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma. In der vergangenen Woche hatte es noch vom Landeskriminalamt in Baden-Württemberg geheißen, der Mord an der Polizistin habe wohl nichts damit zu tun, dass die Beamtin selbst aus Thüringen stammt. Dafür hätten keine Anhaltspunkte vorgelegen, hieß es damals.

Rache an Kiesewetters Verwandten?

Die Familie der Polizistin soll versucht haben, einen Gasthof in Thüringen anzumieten, der dann aber an einen Mann aus dem Umfeld des Zwickauer Trios gegangen sei. Die Polizistin selbst habe jahrelang dem Gasthof gegenüber gewohnt. Ein Familienmitglied soll zudem in einem anderen Gastronomiebetrieb einen Koch mit dem Nachnamen Zschäpe beschäftigt haben.

Es gebe Bezüge zwischen der Tat des Trios und der aus Thüringen stammenden Polizistin, sagte der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Wieland mit Berufung auf Erkenntnisse der Ermittler. Es könne sich auch um einen "Racheakt" an Verwandten der Polizistin gehandelt haben. Auch Innenminister Hans-Peter Friedrich betonte, es gebe "Hinweise, die nicht an Zufälle glauben lassen".

Die Bundesanwaltschaft wollte dies nicht kommentieren. Das Zwickauer Neonazi-Trio stehe weiter unter dringendem Tatverdacht, die Hintergründe seien aber Gegenstand intensiver Ermittlungen und würden nicht an die Öffentlichkeit gegeben. "Die Tat passt in die Ideologie der Gruppe", sagte ein Sprecher der Behörde lediglich. Man gehe selbstverständlich jedem greifbaren Hinweis nach.

Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) um Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wird für an neun Geschäftsleuten türkischer und griechischer Abstammung zwischen 2000 und 2006 und die Ermordung Michèle Kiesewetters 2007 verantwortlich gemacht.

Quelle: ntv.de, dpa