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Brexit-Fehde spaltet Briten Queen ruft zu mehr Respekt auf

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Die Queen ruft zu altbewährten Mitteln auf. Eines davon: gut übereinander zu sprechen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es ist wohl eines der Geheimnisse ihres Erfolgs: Gemeinhin hält sich die Queen wohlweislich aus den Niederungen der Tagespolitik heraus. Wenn sie sich nun äußert, muss es schlimm stehen um das Land.

Auch wenn sie das Staatsoberhaupt Großbritanniens ist: Normalerweise schweigt die Queen zu den alltäglichen Fragen des Landes. Doch nun hat die 92-Jährige an ihre Landsleute appelliert, sich auf die  "Gemeinsamkeiten" zu konzentrieren. In einer Zeit der gnadenlosen Streitereien im Unterhaus über den Brexit fassen dies viele Briten als Mahnung auf. Die "Times" titelte gar: "Beendet die Brexit-Fehde, sagt die Queen den Krieg führenden Politikern."

Die Aufforderung der Queen kam 64 Tage bevor das Land die EU verlassen soll. Dabei ist noch immer kein Plan in Sicht, wie dies geregelt vonstatten gehen kann. Ein harter Brexit ohne ein Abkommen mit der EU wird immer wahrscheinlicher. Im Unterhaus geht es inzwischen rüde zu. Nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Parteien gibt es erbitterten Streit über den zukünftigen Kurs des Landes. Erst in der vergangenen Woche versuchte die Opposition, Premierministerin Theresa May zu stürzen. Diese konnte sich nur halten, weil selbst ihre innerparteilichen Gegner sich plötzlich hinter sie stellten - obwohl sie einen Tag zuvor ihren Brexit-Plan noch abgeschmettert hatten.

Die Queen äußerte sich nun anlässlich der Hundertjahrfeier des Sandringham-Frauen-Instituts, wobei sie alte Tugenden hervorhob. "Wenn wir nach Antworten suchen in der modernen Zeit, bevorzuge ich erprobte und altbewährte Mittel: wie gut übereinander zu sprechen und verschiedene Meinungen zu respektieren, zusammenzukommen, um Gemeinsamkeiten zu finden und niemals das größere Bild aus den Augen zu verlieren", sagte Elizabeth II., die seit 1952 Königin ist und dabei schon viel Parteienstreit mitbekommen hat. "Für mich sind diese Ansätze zeitlos und ich empfehle sie allen."

Bereits in ihrer Weihnachtsansprache hatte die Queen betont, wie wichtig Respekt für andere Meinungen sei - was schon damals als Mahnung an ihre wegen des Brexits extrem gespaltene Nation aufgefasst worden war. Gemeinhin äußert sich die Queen, die sich einmal wöchentlich mit dem Regierungschef oder der Regierungschefin trifft, nicht zur Tagespolitik. Auch wenn sie das Staatsoberhaupt ist, liegt die legislative und exekutive Gewalt beim Parlament und der Premierministerin.

Mahnende Worte der Königin kamen allerdings auch vor dem schottischen Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 2014. Damals sagte sie in Balmoral, sie hoffe, dass die Menschen sehr sorgfältig über ihre Zukunft nachdenken würden. Viele sahen dies als Parteinahme für einen Verbleib Schottlands im Vereinten Königreich an. Der damalige Premierminister David Cameron ließ später wissen, dass die Königin "zufrieden geschnurrt" habe, als er ihr das Ergebnis der Abstimmung - den Verbleib Schottlands im Königreich - mitgeteilt habe.

Quelle: n-tv.de, ghö

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