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Anschlag mit Supergift geplant? Rizin-Bombenbauer schweigen vor Gericht

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Der 30-jährige Angeklagte und seine Frau wollten sich dem Dschihad anschließen.

(Foto: dpa)

Rizinussamen, Sprengstoff, Stahlkugeln: Fast alles, was zum Bau einer Rizin-Bombe nötig wäre, hatte ein Kölner Ehepaar bereits beschafft. Bis zu 100 Menschen hätten bei dem mutmaßlich geplanten Anschlag mit der Biowaffe sterben können. In Düsseldorf beginnt nun der Prozess - mit schweigenden Angeklagten.

Mit Angeklagten, die nichts sagen wollen, und einem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter hat vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gegen die mutmaßlichen Rizin-Bombenbauer von Köln begonnen. Zum Auftakt des Staatsschutzverfahrens warf die Bundesanwaltschaft dem 30-jährigen Tunesier Sief Allah H. und seiner 43 Jahre alten deutschen Ehefrau Yasmin H. vor, eine hochgefährliche Biowaffe für einen islamistischen Anschlag hergestellt zu haben. Es wäre der erste Terroranschlag in Deutschland mit einem biologischen Kampfstoff gewesen. Der Zugriff der Polizei nach dem Tipp eines ausländischen Geheimdienstes beendete die Vorbereitungen allerdings rechtzeitig.

"Beide Angeklagte identifizierten sich seit längerer Zeit mit den Zielen des IS. Sie wollten sich dem Dschihad anschließen", sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Verena Bauer. "Sie entschlossen sich, einen Sprengsatz an einem belebten Ort zu zünden, um möglichst viele Ungläubige zu töten. Der IS empfahl den Einsatz einer Streubombe."

Das Paar habe unter anderem 250 Stahlkugeln und Tausende Rizinussamen über das Internet bestellt. Sprengstoff hätten sie sich über in Deutschland nicht zugelassene Feuerwerkskörper beschafft. Der Angeklagte soll dazu eigens nach Polen gereist sein. "Nahezu alle erforderlichen Utensilien wurden von ihnen beschafft", sagte Bauer.

Aus den Rizinussamen sollen die Angeklagten zunächst 84,3 Milligramm Rizin hergestellt haben. Das Gift trugen sie testweise einem eigens dafür gekauften Zwerghamster auf - das Tier überlebte aber. Bereits vor den Versuchen mit Rizin soll Sief Allah H. laut Anklage mit aus Feuerwerkskörpern entnommenem Sprengstoff auf einer Grünfläche erfolgreich einen Sprengversuch durchgeführt haben.

Bis zu 15 Jahre Haft drohen

Das Rizin wurde im Juni vergangenen Jahren in der Wohnung des Paares in Köln-Chorweiler bei dem Großeinsatz des Bundeskriminalamts (BKA) unter Beteiligung von Spezialisten des Robert-Koch-Instituts gefunden. Nur durch die Festnahme von Sief Allah H. sollen die Produktion einer größeren Menge des Supergifts und der Bau einer Sprengvorrichtung verhindert worden sein, hob die Anklagevertreterin hervor.

Zum Prozessbeginn kündigten H. und seine Ehefrau über ihre Anwälte an, dass sie sich derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern werden. Der Anwalt des Tunesiers stellte zudem einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Jan van Lessen. Die Hauptverhandlung wurde dennoch fortgesetzt, über den Antrag will der Staatsschutzsenat zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Beiden Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft. Der Rizin-Anschlag hätte laut Gutachten bis zu 100 Todesopfer gefordert. Der Prozess findet im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts statt.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP/dpa

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