Politik

RTL/ntv Politiker-Ranking Röttgen ist plötzlich Krisengewinner

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Norbert Röttgen hat seit Beginn der Pandemie deutlich an Wählervertrauen gewonnen.

(Foto: imago images/Political-Moments)

Das Corona-Jahr 2020 endet für Angela Merkel im Umfragehoch. Niemand sonst unter Deutschlands Politikern genießt so viel Vertrauen wie die Kanzlerin. Aber auch andere profitieren politisch von der Krise - etwa Norbert Röttgen, der eigentlich nur Zaungast ist.

In Zeiten der Krise neigen Wähler dazu, den Regierenden größeres Vertrauen zu schenken - auch in Deutschland ist das so. Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Union Umfragewerte erreicht, von denen sie seit Jahren nur träumen konnte. Im Frühsommer lag sie zwischenzeitlich bei 40 Prozent. Zwar steht die CDU/CSU kurz vor Weihnachten nicht mehr ganz so gut da, doch verglichen mit den anderen Parteien genießen die Schwesterparteien mit Abstand das größte Vertrauen der Wähler - und das dürfte vor allem an einer Person liegen: Angela Merkel.

Die Bundeskanzlerin erreicht im aktuellen Politiker-Ranking von Forsa mit 71 von 100 möglichen Punkten mit Abstand die Spitzenposition. Im Januar, vor der Pandemie, kam sie auf nur 59 Punkte. Durch die Krise sitzt Merkel, die schon als "lame duck" - lahme Ente - in den Ruhestand gewünscht wurde, wieder fest im Sattel. Im Politiker-Ranking wird regelmäßig von Forsa ermittelt, bei welchen Politikern die Bürger das Land "in guten Händen" sehen. Ihre Einschätzung können die Befragten mit Werten von 0 ("überhaupt nicht in guten Händen") bis 100 ("voll und ganz in guten Händen") abgeben.

Auch Jens Spahn hat seit Januar in Sachen Wählervertrauen deutlich zugelegt. Im Ranking gewann der Gesundheitsminister 14 Punkte dazu - mehr noch als Merkel - und kommt auf Platz 3. Damit liegt er zwar hinter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, allerdings setzt sich bei Spahn der Positivtrend fort, während Söder nach einem Umfragehoch im August wieder 3 Punkte eingebüßt hat. Nach Spahn folgt Olaf Scholz mit 48 Punkten, vor dem Grünen-Spitzenduo Robert Habeck und Annalena Baerbock, die inzwischen beide auf 45 Punkte kommen. Die Kanzlerkandidatenkür dürfte das bei den Grünen nicht unbedingt leichter machen.

Lindner ist größter Krisenverlierer

Der größte Krisenverlierer am Ende dieses Jahres heißt Christian Lindner. Lag der FDP-Chef im Januar noch bei 38 Punkten, kommt er aktuell nur noch auf 29. Auch Friedrich Merz verlor 8 Punkte (33), Armin Laschet büßte seit Jahresbeginn vier Punkte ein (42). Der Landesvater von Nordrhein-Westfalen stand mit 40 Punkten im August auch schon mal schlechter da. Doch unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass ihn sein Umgang mit der Pandemie Vertrauen gekostet hat. Unter den Aspiranten auf den CDU-Vorsitz hat überraschend Norbert Röttgen den größten Sprung nach vorn gemacht: Der einstige Umweltminister und Außenexperte konnte seit Jahresbeginn 6 Punkte hinzugewinnen (41).

Wie auch Merz war Röttgen dazu verdammt, die Krisenpolitik von der Seitenlinie aus zu kommentieren. In den Augen der Wähler hat der 55-Jährige aber allem Anschein nach eine bessere Figur abgegeben als sein Konkurrent. Merz verlor vor allem in der ersten Jahreshälfte massiv an Zustimmung (-6 Punkte), Röttgen gewann erst in der zweiten Jahreshälfte dazu. Für seine Interviews hatte Merz zuweilen herbe Kritik einstecken müssen - zuletzt für die Aussage, man müsse aufpassen, dass sich die Menschen in der Corona-Krise nicht an ein Leben ohne Arbeit gewöhnten. Ob sich die Beliebtheit der Kandidaten auf das Abstimmungsverhalten der Delegierten beim CDU-Parteitag auswirken wird, darf aber bezweifelt werden.

Bemerkenswert ist, dass sich weder die Zustimmungswerte der SPD-Chefs Norbert Walter-Borjans (30, +3) und Saskia Esken (26, +2) noch der AfD-Chef Jörg Meuthen (8, -1) seit Jahresbeginn wesentlich verändert haben. Allen ist es nicht gelungen, in der Krise Wählervertrauen hinzugewinnen. Im Falle von Meuthen (8) zeigt sich zudem ein großes Ost-West-Gefälle: Im Osten erreicht er 6 Vertrauens-Punkte mehr als in Westdeutschland - übrigens ebenso wie Linken-Chef Dietmar Bartsch (31).

Quelle: ntv.de, jug

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